Serbien

Tausende bei Mladić-Beisetzung – mehrere SNS-Minister und Vučić-Sohn unter den Trauergästen

Die Beisetzung Ratko Mladićs wird in Belgrad zur politischen Demonstration: Hochrangige Vertreter des serbischen Staates zeigen demonstrativ Präsenz – trotz scharfer Kritik aus der EU.

Der Sarg Ratko Mladićs in der Kirche des Heiligen Lukas im Belgrader Stadtteil Vidikovac, flankiert von einem Ehrenspalier Angehöriger der serbischen Streitkräfte. Vor der Kirche versammelten sich mehrere Tausend Menschen, um dem wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen rechtskräftig verurteilten ehemaligen Kommandanten der Armee der Republika Srpska die letzte Ehre zu erweisen. (© Tanjug Screenshot)

Mehrere Tausend Menschen haben sich am Montagmorgen in Belgrad versammelt, um Abschied von Ratko Mladić zu nehmen. Unter den Trauergästen befinden sich mehrere Mitglieder der serbischen Regierung und ranghohe SNS-Funktionäre, der Sohn von Präsident Aleksandar Vučić sowie der russische Botschafter in Serbien. Mladić, der wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, soll am Nachmittag auf dem Topčider-Friedhof beigesetzt werden.  

Vor der Kirche des Heiligen Lukas im Belgrader Stadtteil Vidikovac bildeten sich bereits am Morgen lange Warteschlangen. Mehrere Tausend Menschen, darunter ehemalige Angehörige der Armee der Republika Srpska, versammelten sich vor dem Gotteshaus. Der Sarg Mladićs wurde in der Kirche aufgebahrt, wo Angehörige und Besucher Abschied nehmen konnten.  

Minister und Präsidentensohn unter den Trauergästen

An den Trauerfeierlichkeiten nehmen auch hochrangige Vertreter des serbischen Staates und der Regierungspartei SNS teil. Unter anderem erwiesen Justizminister Nenad Vujić, Kulturminister Nikola Selaković (SNS), Investitionsminister Darko Glišić (SNS) sowie der Minister ohne Geschäftsbereich Nenad Popović Mladić die letzte Ehre. Ebenfalls vor Ort sind Danilo Vučić, der Sohn des serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić, und der russische Botschafter Aleksandar Bocan-Harčenko. Auch Aleksandar Vulin, Mitglied des Senats der Republika Srpska und ehemaliger stellvertretender serbischer Ministerpräsident, nahm an den Trauerfeierlichkeiten teil.

Die Teilnahme hochrangiger Amtsträger verleiht der Beisetzung zusätzliche politische Brisanz. Bereits die Rückführung von Mladićs Leichnam nach Serbien und der Umgang der serbischen Staatsführung mit seinem Tod hatten international scharfe Kritik ausgelöst. EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos sagte ihren geplanten Besuch in Serbien ab und erklärte, die Glorifizierung Mladićs sei mit den Werten, auf denen der EU-Beitrittsprozess beruhe, nicht vereinbar.  

Lebenslange Haft wegen Völkermordes und Kriegsverbrechen

Mladić war während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 Oberbefehlshaber der Armee der Republika Srpska. Das UN-Kriegsverbrechertribunal verurteilte ihn 2017 zu lebenslanger Haft. Das Urteil wurde 2021 rechtskräftig bestätigt. Zu den Verbrechen, für die Mladić verurteilt wurde, gehört der Völkermord von Srebrenica im Juli 1995.  

Mladić starb am 27. August im Alter von 84 Jahren während der Verbüßung seiner lebenslangen Haftstrafe in Den Haag. Sein Leichnam wurde anschließend mit einem serbischen Regierungsflugzeug nach Belgrad gebracht.  

Nach dem Gottesdienst soll der Trauerzug zum Topčider-Friedhof ziehen. Die Beisetzung ist nach Angaben der Familie für etwa 13.30 bis 14 Uhr vorgesehen. Mladić soll dort neben seiner Tochter Ana beigesetzt werden.

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