Alle gegen Serbien?

Vučić: „Wir wissen nicht, ob Mladić in Belgrad beigesetzt wird“

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić hält eine Beisetzung des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladić in Belgrad für möglich. Zugleich kritisiert er das Haager Tribunal scharf und spricht von einer politischen „Jagd“ auf Serbien.

Aleksandar Vučić am 28. August neben einem Geistlichen der Serbisch-Orthodoxen Kirche (SPC) bei der Eröffnung der Pflaumenmesse in Osečina. (© Predsedništvo Srbije Facebook)

Serbien hat nach Angaben von Präsident Aleksandar Vučić (SNS) bislang keine offizielle Information aus Den Haag über die Überführung des Leichnams von Ratko Mladić erhalten. Ob der frühere Kommandant der bosnisch-serbischen Armee und verurteilte Kriegsverbrecher in Belgrad beigesetzt wird, sei daher weiterhin offen.

„Wir haben von der Möglichkeit gehört, dass General Mladić in Belgrad neben seiner Tochter beigesetzt wird. Ob das geschehen wird oder nicht, wissen wir nicht, weil sich der Leichnam nicht in Serbien befindet“, sagte Vučić am Freitag nach der Eröffnung der Pflaumenmesse in Osečina.

Der serbische Staat habe Teams nach Den Haag entsandt, um die Familie bei logistischen Fragen, insbesondere beim Transport, zu unterstützen. Sollte sich die Familie für eine Beisetzung in Serbien entscheiden, werde der Staat dafür sorgen, dass diese „auf würdige und anständige Weise“ erfolgen könne.

Gleichzeitig verschärfte Vučić seine Kritik am Haager Residualmechanismus. Den Haag habe gewollt, dass Mladić „hinter Gittern stirbt“. Er selbst habe weder früher noch heute Vertrauen in die „Haager Justiz“.

Besonders deutlich wurde Vučić bei seiner Darstellung der letzten Lebensphase Mladićs. Wegen dessen Gesundheitszustands habe er über längere Zeit mit dessen Sohn Kontakt gehalten. „Wir haben alles getan, damit General Mladić sein Leben in Serbien beendet“, sagte der Präsident. Man habe gewusst, dass ihm „sieben Tage bis fünf Wochen“ geblieben seien.

Vučić sprach zudem mit der Führung der Republika Srpska, darunter dem früheren Präsidenten Milorad Dodik, über den Tod Mladićs. Entscheidend seien nun jedoch die Wünsche der Familie.

Medien forderte der Präsident auf, Spekulationen über den Ort und die Form der Beisetzung einzustellen. Dies verletze sowohl die Familie als auch die Öffentlichkeit, da selbst die serbischen Behörden nach seinen Angaben noch keine konkreten Informationen aus Den Haag hätten. Gleichzeitig hatte Justizminister Nenad Vujić bereits angekündigt, dass Mladić im Fall einer Beisetzung in Serbien mit den höchsten staatlichen und militärischen Ehren bestattet werden solle.

Politisch weitete Vučić seine Kritik jedoch deutlich über den konkreten Fall hinaus aus. Die Auseinandersetzung um Mladić sei seiner Ansicht nach nicht nur eine Frage des verstorbenen Generals, sondern Teil eines größeren politischen und juristischen Konflikts. Es gehe um „die Zukunft, verschiedene rechtliche Konsequenzen und weiteren Druck auf Serbien“.

Dabei stellte Vučić die internationale Strafjustiz grundsätzlich in Frage. Die Verfahren vor verschiedenen Tribunalen und Gerichten hätten letztlich das Ziel, ein Narrativ festzuschreiben, wonach Kroaten, Bosniaken und Albaner „im Wesentlichen keine Verbrechen gegen Serben begangen“ hätten und Serbien dauerhaft als Schuldiger dargestellt werde. „Das ist der Stempel, den uns der Westen aufdrückt. Wir sollten darüber keine Illusionen haben“, sagte er.

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