Serbien will den am Donnerstag in Den Haag wegen Kriegsverbrechen verurteilten verstorbenen ehemaligen Kommandeur der Armee der Republika Srpska, Ratko Mladić, mit höchsten staatlichen und militärischen Ehren beisetzen. Das bestätigte Justizminister Nenad Vujić.
„General Mladić ist General und die Protokolle sind bekannt“, sagte Vujić dem Sender ATV. Es sei bekannt, welche Rolle Mladić gespielt habe, zugleich werde aber „das, was einem General zusteht“, eingehalten. Die Republika Srpska spiele bei der Entscheidung über den Bestattungsort keine Rolle; darüber werde die Familie entscheiden.
Die serbische Regierung will zudem den Transport der Leiche aus Den Haag organisieren. Nach Angaben Vujićs wartet Belgrad noch auf Informationen des Internationalen Residualmechanismus für die Strafgerichte über die erforderlichen Verfahren. Das Ministerium will außerdem ein Schreiben an Den Haag richten und eine Untersuchung der Todesumstände verlangen. Dabei soll nicht nur die Todesursache geklärt werden, sondern auch, ob Mladić angemessen medizinisch behandelt wurde.
Politisch brisant
Mladić war 2017 vom UN-Kriegsverbrechertribunal wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Urteil wurde 2021 im Berufungsverfahren bestätigt. Zu den zentralen Punkten des Schuldspruchs gehörten seine Verantwortung für den Völkermord von Srebrenica 1995 sowie für den jahrelangen Beschuss von Sarajewo.
Dass ein wegen Völkermords verurteilter ehemaliger Militärkommandeur nun mit höchsten staatlichen und militärischen Ehren bestattet werden soll, dürfte deshalb über Serbien hinaus für erhebliche politische Reaktionen sorgen. Besonders in Bosnien und Herzegowina steht die Entscheidung im unmittelbaren Zusammenhang mit dem bis heute umkämpften Umgang mit dem Erbe des Bosnienkrieges.
Mladić starb am 27. August im Alter von 84 Jahren in einem UN-Gefängniskrankenhaus in Den Haag. Er hatte seit seiner Festnahme in Serbien 2011 den größten Teil seiner letzten Lebensjahre in Haft verbracht.
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