Die Vienna Insurance Group (VIG) profitiert weiter von ihrem starken Geschäft in Zentral- und Osteuropa – und innerhalb dieser Wachstumsstory spielen auch die sechs Westbalkanmärkte eine bemerkenswerte Rolle. Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte der Wiener Versicherungskonzern sein Ergebnis vor Steuern um 20,7 Prozent auf 641,5 Millionen Euro. Die verrechneten Prämien stiegen konzernweit um 5,4 Prozent auf mehr als 9 Milliarden Euro.
Besonders deutlich wird die regionale Dynamik bei den versicherungstechnischen Erträgen. In Bosnien und Herzegowina legten sie gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16,2 Prozent zu, in Albanien um 13,2 Prozent. Damit zählen beide Westbalkanländer zu den sieben Märkten des gesamten VIG-Portfolios, in denen im ersten Halbjahr zweistellige Wachstumsraten erzielt wurden.
Auch Serbien entwickelt sich überdurchschnittlich. Die verrechneten Prämien stiegen dort um 9,7 Prozent. Damit liegt der serbische Markt deutlich über dem konzernweiten Prämienwachstum von 5,4 Prozent und zählt innerhalb des Segments „Erweiterte CEE“ zu den stärksten Wachstumsmärkten.
Westbalkan ist längst Teil des VIG-Kernmarktes
Die Zahlen sind auch deshalb relevant, weil der Westbalkan für die VIG kein Randgeschäft darstellt. Der Konzern zählt Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien zu seinem CEE-Geschäft und ist damit in allen sechs Westbalkanmärkten präsent. Die Expansion in die Region begann 2003 in Serbien. Albanien, Nordmazedonien und Kosovo folgten 2007, Montenegro 2010 und Bosnien und Herzegowina 2011.
Die Marktpositionen sind inzwischen erheblich. Nach den zuletzt von der VIG veröffentlichten Rangdaten zählt der Konzern in Albanien, Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien und Serbien zu den fünf größten Versicherungsgruppen. In Kosovo und Montenegro liegt er unter den Top Ten.
Gerade das noch vergleichsweise niedrige Niveau der Versicherungsdurchdringung macht die Region für internationale Versicherer interessant. Nach VIG-Daten lagen die jährlichen Versicherungsprämien pro Einwohner 2024 in Montenegro bei 212 Euro, in Serbien bei 167 Euro, in Bosnien und Herzegowina bei 161 Euro, in Nordmazedonien bei 143 Euro, in Kosovo bei 106 Euro und in Albanien bei lediglich 89 Euro. Zum Vergleich: In Österreich waren es 2.322 Euro.
Das enorme Gefälle zeigt das langfristige Potenzial: Steigende Einkommen und eine wirtschaftliche Annäherung an die EU könnten auch die Nachfrage nach Versicherungsprodukten erhöhen. Genau darauf baut die CEE-Strategie der VIG. Der Konzern bezeichnet Zentral- und Osteuropa ausdrücklich als seinen langfristigen Wachstumsmarkt und verweist dabei auf steigende Haushaltseinkommen und die weiterhin geringe Versicherungsdichte in vielen Ländern der Region.
Bosnien und Albanien liefern derzeit die stärksten Signale
Innerhalb des Westbalkans liefern im ersten Halbjahr vor allem Bosnien und Herzegowina und Albanien konkrete Wachstumssignale. Das Plus von 16,2 beziehungsweise 13,2 Prozent bei den versicherungstechnischen Erträgen liegt nicht nur deutlich über dem Konzerndurchschnitt von 7,1 Prozent, sondern auch über dem Wachstum des gesamten Segments Erweiterte CEE von 9,2 Prozent.
im Westbalkan
märkte
Serbien wiederum fällt beim Prämiengeschäft auf: Mit einem Plus von 9,7 Prozent liegt das Land hinter Ungarn und Bulgarien gemeinsam mit Kroatien in der Spitzengruppe der von VIG hervorgehobenen Märkte des Segments Erweiterte CEE.
Für Kosovo, Montenegro und Nordmazedonien nennt der Konzern in seinen Halbjahres-Eckdaten keine gesonderten Wachstumsraten. Ihre Bedeutung für die regionale Strategie lässt sich deshalb aus den veröffentlichten Halbjahreszahlen nicht seriös einzeln quantifizieren. Sie bleiben jedoch Bestandteil des geografischen CEE-Fußabdrucks der Gruppe.
CEE treibt den Wiener Konzern
Die Westbalkanentwicklung fügt sich in ein insgesamt starkes erstes Halbjahr ein. Die versicherungstechnischen Erträge der VIG erhöhten sich um 7,1 Prozent auf knapp 6,85 Milliarden Euro, die verrechneten Prämien auf 9,03 Milliarden Euro.
Gleichzeitig verbesserte sich die Netto Combined Ratio von 91,9 auf 91,4 Prozent. Das bedeutet vereinfacht: Im Schaden- und Unfallgeschäft musste die Gruppe für Schäden und Kosten einen geringeren Anteil ihrer entsprechenden Versicherungserträge aufwenden als ein Jahr zuvor.
Die Solvenzquote blieb mit 272 Prozent auf hohem Niveau. Das Gesamtkapitalveranlagungsportfolio wuchs gegenüber Ende 2025 um 4,1 Prozent auf 49,1 Milliarden Euro.
„Mit den Ergebnissen des ersten Halbjahres 2026 setzt die Vienna Insurance Group ihren profitablen Erfolgskurs sowie ihr dynamisches Wachstum im Kernmarkt CEE fort. Es ist uns gelungen, sämtliche wesentlichen Kennzahlen zu steigern und auch nach dem Erwerb der Nürnberger Versicherung eine hohe Kapitalausstattung auszuweisen“, erklärt VIG-Generaldirektor Hartwig Löger.
Der Westbalkan bleibt ein Wachstumsmarkt
Für die sechs Westbalkanländer ist die Entwicklung der VIG auch über das Unternehmen hinaus interessant. Der Abstand bei den Versicherungsausgaben gegenüber Österreich und anderen entwickelten europäischen Märkten ist weiterhin enorm. Gleichzeitig verfügt die VIG bereits über etablierte Gesellschaften, Vertriebsstrukturen und relevante Marktpositionen in der gesamten Region.
Welche Rolle Montenegro in der Wachstumsstrategie der Vienna Insurance Group spielt, erläutert VIG-Vorstand Christoph Rath im ausführlichen Interview mit Westbalkan Briefing.
Der Konzern kann damit von einer möglichen wirtschaftlichen Konvergenz profitieren, ohne die Märkte erst neu erschließen zu müssen. Das starke erste Halbjahr in Bosnien und Herzegowina, Albanien und Serbien liefert dafür aktuelle Belege.
Für das Gesamtjahr 2026 hält die VIG an ihrem Ziel eines Ergebnisses vor Steuern von 1,25 bis 1,30 Milliarden Euro fest – noch ohne Berücksichtigung der Nürnberger Versicherung. Die CEE-Märkte bleiben dabei das Zentrum der Wachstumsstrategie. Und der Westbalkan gehört zunehmend sichtbar zu dieser Geschichte.
redaktion/OTS