Montenegro hat seinen ersten eigenen Satelliten – und jetzt auch einen internationalen Preis dafür. Der 1U-CubeSat Luča wurde in den USA mit dem „Rookie of the Year 2026“-Award des American Institute of Aeronautics and Astronautics (AIAA) ausgezeichnet. Für das kleine Land ist es ein großer Schritt in ein neues Technologiefeld.
David gegen Goliath im All
Die Auszeichnung wurde im Rahmen der SmallSat Conference in Salt Lake City im Bundesstaat Utah vergeben. Luča setzte sich nach Nominierung, Expertenauswahl, Finalrunde und öffentlicher Abstimmung gegen zwei technisch deutlich größere Projekte durch.
Im Finale standen neben dem montenegrinischen CubeSat der bahrainische Al-Munther und der australische ElaraSat MMS-1.
Der Vergleich könnte kaum spannender sein: Luča ist ein kompakter 1U-CubeSat. Al-Munther ist ein 3U-Satellit aus Bahrains nationalem Raumfahrtprogramm und verfügt unter anderem über eine Erdbeobachtungskamera, künstliche Intelligenz zur Bildauswertung im Orbit sowie ein Cybersecurity-System.
Der australische ElaraSat MMS-1 von Gilmour Space Technologies bringt rund 100 Kilogramm auf die Waage und trägt ein hyperspektrales Instrument der australischen Forschungsagentur CSIRO.
Und trotzdem gewann Luča.
Große Idee, kleines Land
„Das ist nicht nur eine Auszeichnung für einen Satelliten. Es ist eine Anerkennung für eine Idee: dass Montenegro unabhängig von seiner Größe und seinen begrenzten Ressourcen seinen Platz unter den Ländern haben kann, die im Bereich der Raumfahrttechnologien etwas schaffen“, so Filip Jovićević, Gründer und Direktor von Montenegro Space Research.
Luča sei vor einigen Jahren noch eine Vision gewesen, dann Montenegros erster Satellit und nun eine international ausgezeichnete Mission. „Man muss nicht als Größter beginnen, um eines Tages zu den Besten zu gehören“, so Jovićević.
Damit bekommt eine oft bemühte David-und-Goliath-Geschichte im All einen ziemlich konkreten Ausgang: Der kleine montenegrinische Satellit schlug die deutlich ressourcenstärkeren Konkurrenten.
Montenegro stimmte mit ab
Auch die Öffentlichkeit spielte eine Rolle. Im Finale konnten Menschen weltweit für ihre Favoriten stimmen. Bürger Montenegros, die montenegrinische Diaspora, Partner und Unterstützer des Projekts mobilisierten für Luča – auch das Westbalkan Briefing hat zur Wahl von Luča aufgerufen.
„Diese Auszeichnung betrachten wir nicht nur als Anerkennung für unser Team. Sie ist ein Sieg Montenegros und all jener Menschen, die hinter Luča standen, als es darauf ankam“, so Jovićević weiter.
Die Bedeutung der Mission geht dabei über den Satelliten selbst hinaus. Luča soll internationale Kooperationen fördern, technologische Kompetenzen im Land entwickeln und junge Menschen für STEAM-Fächer begeistern. Auch die weltweite Amateurfunk-Community ist in das Projekt eingebunden.
Der erste Schritt ist gemacht
Die Preisverleihung in Salt Lake City nahm Daniela Jović für Montenegro Space Research entgegen. Für Montenegro ist der „Rookie of the Year“-Award damit mehr als ein schöner Erfolg bei einer internationalen Konferenz. Das Land hat seinen ersten Schritt in die Raumfahrt gemacht – und gleich beim ersten Anlauf für Aufmerksamkeit gesorgt. Die vielleicht schönste Perspektive liegt deshalb gar nicht im Orbit: Wenn Luča dazu beiträgt, dass eine weitere montenegrinische Satellitenmission irgendwann keine Überraschung mehr ist, hätte der kleine CubeSat seinen größten Erfolg noch vor sich.
Montenegro ist im Weltraum angekommen. Luča hat dafür schon einmal einen Preis mitgebracht.
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