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Harald Vilimsky verteidigt Informer. Doch kennt der FPÖ-Politiker auch die Methoden des umstrittenen serbischen Mediums?

FPÖ-EU-Delegationsleiter Harald Vilimsky verteidigt das serbische Medium Informer, der seit Jahren wegen seiner Berichterstattung und Diffamierungskampagnen in der Kritik steht. (© Westbalkan Briefing Illustration / Harald Vilimsky Facebook / Informer Titelseiten)

Der österreichische FPÖ-Europaabgeordnete Harald Vilimsky hat sich am Donnerstag in die Debatte über den serbischen Fernsehsender Informer TV eingeschaltet. Auf der Plattform X verurteilte er den gewaltsamen Übergriff auf die Redaktion und Chefredakteur Dragan J. Vučićević. Zugleich warnte er vor einer möglichen Schließung des Senders, den er als „einzigen oppositionellen Fernsehsender in Serbien“ bezeichnete.

Diese Darstellung ist bereits angesichts der aktuellen politischen Verhältnisse irreführend. Zwar hat die Studentenliste die Parlamentswahl vom 25. Oktober nach den vorläufigen Ergebnissen mit absoluter Mehrheit gewonnen, doch ein endgültiges amtliches Wahlergebnis liegt bislang nicht vor. Das neue Parlament hat sich noch nicht konstituiert und eine neue Regierung wurde ebenfalls nicht gebildet. Die bisherige, von der Serbischen Fortschrittspartei (SNS) geführte Regierung ist weiterhin im Amt.

Informer TV, das über Jahre zu den entschiedensten medialen Unterstützern von Aleksandar Vučić und der SNS gehörte, als einzigen oppositionellen Fernsehsender Serbiens zu bezeichnen, ist vor diesem Hintergrund nicht haltbar. Der bevorstehende politische Machtwechsel macht aus einem langjährigen regierungsnahen Medium nicht automatisch einen oppositionellen Sender.

Ein Übergriff, der nicht zu rechtfertigen ist

Am 26. Oktober, einen Tag nach dem historischen Wahlsieg der Studentenliste, drangen aufgebrachte Bürger in die Räumlichkeiten von Informer TV in Belgrad ein. Während der laufenden Sendung „Kolegijum“ kam es zu tumultartigen Szenen. Chefredakteur Vučićević und weitere Mitarbeiter wurden bedrängt, der Sendebetrieb unterbrochen und Beschäftigte evakuiert.

Zuvor hatte Vučićević den Spitzenkandidaten der Studentenliste, Ilija Srdanović, telefonisch um Unterstützung gebeten. Er sprach von einer „Geiselkrise“ und behauptete später, die Demonstranten hätten versucht, das Gebäude in Brand zu setzen und ihn beinahe getötet. Diese Darstellung ist nicht unabhängig bestätigt.

Die Studentenliste und Srdanović verurteilten den Übergriff und betonten, dass mögliche Rechtsverstöße von Informer ausschließlich durch die zuständigen Institutionen verfolgt werden müssten.

In diesem Punkt besteht kein Interpretationsspielraum: Die politische Ausrichtung eines Mediums rechtfertigt weder Gewalt noch Einschüchterung. Journalisten müssen ihre Arbeit ohne Angst vor körperlichen Angriffen ausüben können.

Allerdings lässt sich die Empörung über Informer nicht losgelöst von der Geschichte des Senders betrachten.

Ein Medienunternehmen im Dienst der bisherigen Macht

Informer wurde 2012 als Tageszeitung gegründet und entwickelte sich zu einem der einflussreichsten regierungsnahen Boulevardmedien Serbiens. Neben der Zeitung und dem Nachrichtenportal betreibt das Unternehmen seit Mai 2023 einen eigenen Fernsehsender.

An der Spitze steht Eigentümer und Chefredakteur Dragan J. Vučićević.

Die redaktionelle Linie war über Jahre von einer ausgesprochen positiven Darstellung Aleksandar Vučićs und der SNS geprägt. Gleichzeitig wurden Oppositionspolitiker, investigative Journalisten, Studenten und andere Regierungskritiker regelmäßig mit persönlichen Anschuldigungen konfrontiert.

Die Kritik an diesen Praktiken stammt keineswegs ausschließlich von politischen Gegnern. Journalistenverbände, Medienbeobachter, Gerichte und internationale Wahlbeobachter dokumentierten wiederholt Verstöße gegen journalistische Standards, die Veröffentlichung privater Informationen und eine ausgeprägte politische Einseitigkeit.

Besonders deutlich wurde dies während des jüngsten Wahlkampfs.

Die serbische Wahlbeobachtungsorganisation CRTA stellte bei ihrer Medienbeobachtung vom 14. September bis 16. Oktober 2026 fest, dass die Opposition auf Informer TV zu 94 Prozent negativ dargestellt wurde. Aleksandar Vučić erhielt allein 46 Prozent der beobachteten Sendezeit.

Darüber hinaus dokumentierte CRTA mindestens 16 ausgestrahlte Aufzeichnungen abgehörter Gespräche oppositioneller oder unabhängiger Akteure. Die Herkunft dieser Aufnahmen und die Umstände ihrer Entstehung blieben ungeklärt.

Nicht einmal die Angehörigen der Opfer von Novi Sad blieben verschont

Besonders schwer wiegen die Vorwürfe gegen Informer im Zusammenhang mit Dijana Hrka.

Ihr Sohn Stefan gehörte zu den 16 Menschen, die am 1. November 2024 beim Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad ums Leben kamen. Seither kämpft die Mutter öffentlich für die Aufklärung der Katastrophe und die strafrechtliche Verantwortung der Schuldigen.

Im November 2025 trat sie vor dem serbischen Parlament in einen 16-tägigen Hungerstreik. Sie forderte unter anderem die Aufklärung des Unglücks, die Freilassung festgenommener Studenten und vorgezogene Parlamentswahlen.

Doch auch Hrka und ihre Familie gerieten ins Visier von Informer.

Bereits im März 2025 erhob sie schwere Vorwürfe gegen den Sender. Gegenüber der Nachrichtenagentur FoNet erklärte sie, Informer betreibe eine öffentliche Diffamierungskampagne gegen ihren jüngeren Sohn Nemanja. Sie sprach von einem „medialen Lynchmord“ an ihrem zweiten Kind.

Dijana Hrka, Mutter eines der 16 Todesopfer der Bahnhofskatastrophe von Novi Sad, trat am 2. November 2025 vor dem serbischen Parlament in Belgrad in einen 16-tägigen Hungerstreik. Sie forderte die Aufklärung der Tragödie, die Freilassung festgenommener Studenten und vorgezogene Parlamentswahlen. Am 17. November beendete sie ihren Protest auf ärztlichen Rat. (© FoNet / Milica Vučković)

Im Oktober desselben Jahres kam es zu einer weiteren Auseinandersetzung. Während einer Sendung über einen Gedenkmarsch von Studenten aus Novi Pazar nach Novi Sad bezeichnete Vučićević die 16 Todesopfer als „šatro žrtve“, sinngemäß „vermeintliche Opfer“.

Die Äußerung löste heftige Empörung aus. Bei einer Protestkundgebung vor Informer am 18. Oktober wurde ein Video der entsprechenden Sendung vorgeführt.

Vučićević erklärte später, seine Formulierung habe sich nicht auf die Verstorbenen bezogen, sondern auf Demonstranten, denen er vorwarf, ihre Trauer lediglich vorzutäuschen.

Für Hrka war die Aussage dennoch zutiefst verletzend. Sie verlangte eine persönliche Erklärung des Chefredakteurs.

Am 26. Oktober befand sich die Mutter schließlich unter jenen Menschen, die in die Räumlichkeiten von Informer eindrangen. Dort konfrontierte sie Vučićević erneut mit seiner Berichterstattung und dem Vorwurf, ihren verstorbenen Sohn als „Ustascha“ bezeichnet zu haben. Die genaue Zuschreibung dieser Äußerung ist umstritten.

Der Fall verdeutlicht, weshalb Informer für zahlreiche Menschen in Serbien weit mehr als ein politisch einseitiger Fernsehsender ist. Für Hrka steht die Auseinandersetzung mit Vučićević in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Tod ihres Sohnes und der öffentlichen Behandlung ihrer Familie.

Das rechtfertigt den Übergriff nicht. Es erklärt jedoch einen Teil der aufgestauten Wut auf den Sender.

Geheime Aufnahmen, private Daten und persönliche Angriffe

Eine am 27. Oktober veröffentlichte Untersuchung des serbischen Medienportals Cenzolovka dokumentiert zahlreiche weitere Fälle aus der bisherigen Geschichte von Informer TV.

Nach dem Einsturz des Bahnhofsvordachs und dem Beginn der Studentenproteste verschärfte sich der Ton gegenüber Regierungskritikern erheblich.

So wurden in verschiedenen Sendungen Studenten als „Terroristen“, „Islamisten“ oder Mitglieder einer angeblichen Sekte bezeichnet. Der Vorsitzende der Serbischen Radikalen Partei, Vojislav Šešelj, rechtfertigte im Jänner 2025 bei Informer einen Angriff auf eine Studentin in Novi Sad. In einer anderen Sendung drohte er einer Studentin, während deren Bilder eingeblendet wurden. Der Moderator griff nicht ein.

Auch die Veröffentlichung privater Informationen gehörte zu den beanstandeten Praktiken.

Im Jänner 2025 zeigte Informer die Reisepässe von vier kroatischen Staatsbürgern und machte dabei persönliche Daten sichtbar. Im August desselben Jahres präsentierte Vučićević intime Aufnahmen der Studentin und Aktivistin Nikolina Sinđelić, nachdem diese Vorwürfe gegen die Polizei erhoben hatte.

Besonders problematisch war zudem die Ausstrahlung heimlich aufgezeichneter Gespräche.

Kurz vor einer großen Demonstration in Belgrad im März 2025 veröffentlichte Informer gemeinsam mit anderen regierungsnahen Fernsehsendern Audioaufnahmen von Gesprächen oppositioneller Aktivisten. Wenig später wurden mehrere Betroffene festgenommen. Ihre Rechtsvertreter stellten die Rechtmäßigkeit der Beschaffung der Aufnahmen infrage.

In der Sendereihe „Na merama“ wurden darüber hinaus Aufnahmen über Aufenthaltsorte, Kontakte und Bewegungen regierungskritischer Politiker, Schauspieler, Sportler und anderer öffentlicher Persönlichkeiten ausgestrahlt.

Informer schrieb diese Informationen seinem sogenannten „Gledalačko-obaveštajna služba“ (GOSI), einem angeblichen Zuschauer-Geheimdienst, zu.

Cenzolovka verweist darauf, dass einzelne Aufnahmen aus staatlichen Quellen gestammt haben sollen.

Schwere Anschuldigungen gegen politische Gegner

Die Methoden setzten sich bis unmittelbar vor der Parlamentswahl fort.

Am 22. Oktober 2026 erhob Vučićević in seiner Sendung „Kolegijum“ schwerwiegende Vorwürfe gegen den früheren Vorsitzenden der Demokratischen Partei, Bojan Pajtić.

Unter Berufung auf angeblich beschaffte Audioaufnahmen unterstellte er Pajtić Drogenkonsum und Verbindungen zu kriminellen Kreisen. Gleichzeitig verbreitete er Behauptungen über dessen Privatleben und mögliche kompromittierende Aufnahmen.

Pajtić wurde dabei als einer der politischen Hintermänner der Studentenliste dargestellt.

Eine unabhängige Bestätigung für die Anschuldigungen lieferte Informer nicht.

Der Fall steht beispielhaft für eine Berichterstattung, bei der politische Kritik wiederholt mit persönlichen Vorwürfen und Informationen aus dem Privatleben der Betroffenen verbunden wurde.

Selbst verurteilte Kriegsverbrecher wurden zum politischen Kampfmittel

Auch der Umgang mit dem wegen Völkermords und weiterer Kriegsverbrechen rechtskräftig verurteilten ehemaligen bosnisch-serbischen General Ratko Mladić zeigt die redaktionelle Ausrichtung des Mediums.

Nachdem Studenten und Aktivisten Transparente mit seinem Bild entfernt hatten, sprach Informer von einer „schändlichen Provokation“.

In weiteren Veröffentlichungen wurden Gegner der Verehrung von Mladić als Menschen dargestellt, die ihr eigenes Volk hassten. Ein Artikel trug sinngemäß die Überschrift: „Niemand hasst sein eigenes Volk so sehr wie die Blockierer.“

Auch Kritik aus Kroatien wurde mit historischen Feindbildern verbunden. Informer sprach von „Ustascha-Behörden“ und stellte die serbische Studentenbewegung als deren Verbündete dar.

Diese Beispiele verdeutlichen, wie politische Auseinandersetzungen mit nationalistischen Zuschreibungen und persönlichen Angriffen verbunden wurden.

Auch österreichische Politiker wurden zur Zielscheibe

Die Diffamierung politischer Gegner beschränkte sich keineswegs auf Serbien. Auch österreichische Europaabgeordnete, die sich kritisch mit der Regierung von Aleksandar Vučić auseinandersetzten, wurden wiederholt angegriffen.

Besonders häufig traf es den SPÖ-Europaabgeordneten Andreas Schieder.

So titelte Informer im Juni 2024 über den österreichischen SPÖ-Europaabgeordneten Andreas Schieder: „Österreichischer Heuchler: Er bereitet den Serben Ćevapčići zu, beschuldigt sie aber des Völkermords! Doch in Serbien gibt es auch jene, die genauso denken wie Schieder und sich über seine unterwürfige Portion Grillfleisch freuen!“ (© informer.rs Screenshot)

Informer bezeichnete ihn unter anderem als „Serbenhasser“, „antisrbischen Lobbyisten“ und politischen Verbündeten des serbischen Oppositionspolitikers Dragan Đilas.

Im Dezember 2023 unterstellte das Medium Schieder, vor seiner Tätigkeit als Wahlbeobachter von Đilas konkrete Anweisungen erhalten zu haben. Als Grundlage diente ein Treffen der beiden Politiker in Wien. Ein belastbarer Beleg für die behauptete Einflussnahme wurde nicht vorgelegt.

Im Juni 2024 veröffentlichte Informer einen Artikel mit der Überschrift: „Österreichischer Heuchler: Er bereitet den Serben Ćevapčići zu, beschuldigt sie aber des Völkermords! Doch in Serbien gibt es auch jene, die genauso denken wie Schieder und sich über seine unterwürfige Portion Grillfleisch freuen!“

Auch 2025 setzte sich diese Berichterstattung fort. Nachdem Schieder die politische Entwicklung in Serbien kritisiert hatte, bezeichnete ihn Informer erneut als „Serbenhasser“ und Lobbyisten des kosovarischen Premierministers Albin Kurti.

Der NEOS-Europaabgeordnete Helmut Brandstätter geriet ebenfalls ins Visier. Nachdem er sich für die Nominierung der serbischen Studentenbewegung für den Sacharow-Preis eingesetzt hatte, bezeichnete Informer ihn als führenden Lobbyisten Kurtis im Europäischen Parlament.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Informer bereits im Dezember 2024 ausführlich über Kritik Harald Vilimskys an Andreas Schieder berichtete. Der FPÖ-Politiker warf seinem österreichischen Parlamentskollegen damals vor, Serbien ungerechtfertigt unter Druck zu setzen.

Die Veröffentlichungen zeigen, dass Informer auch ausländische Kritiker der bisherigen serbischen Regierung wiederholt mit persönlich abwertenden Bezeichnungen und unbelegten Unterstellungen konfrontierte.

Gerichte bestätigten schwerwiegende Persönlichkeitsverletzungen

Dass es sich bei den Methoden von Informer nicht ausschließlich um politische Polemik handelte, zeigen mehrere Gerichtsurteile.

Im März 2021 berichtete der öffentlich-rechtliche Rundfunk RTS über ein Urteil des Belgrader Obergerichts zugunsten der Journalistin Olivera Kovačević.

Das Gericht stellte fest, dass Vučićević und der Herausgeber von Informer ihre Ehre und ihr Ansehen verletzt hatten. Neben einer Entschädigung wurde die Entfernung mehrerer Veröffentlichungen angeordnet.

In der Urteilsbegründung hielt das Gericht fest, dass die beanstandeten Artikel weder der Information der Öffentlichkeit noch einer Debatte im öffentlichen Interesse dienten. Vielmehr hätten sie durch unwahre und unvollständige Informationen auf die Diskreditierung der Journalistin abgezielt.

Auch der Investigativjournalist Stevan Dojčinović, Chefredakteur des Recherchenetzwerks KRIK, ging erfolgreich gerichtlich gegen Informer vor.

Das Belgrader Berufungsgericht bestätigte im März 2019 ein Urteil, wonach Informer und Vučićević insgesamt 1.500 Euro Schadenersatz zahlen mussten.

Der Journalist war unter anderem als ausländischer Spion, Mitarbeiter der Mafia und Terrorist dargestellt worden. Das Gericht stellte fest, dass die Veröffentlichungen unbelegte Anschuldigungen enthielten.

Mehr als 1.000 Gerichtsverfahren gegen den Herausgeber

Das Ausmaß der juristischen Auseinandersetzungen ist erheblich.

Nach Angaben der Slavko-Ćuruvija-Stiftung, auf die sich das Nachrichtenmagazin Vreme beruft, laufen gegen Insajder Tim, den Herausgeber von TV Informer, mehr als 1.000 Gerichtsverfahren. Die meisten betreffen mutmaßliche Verstöße gegen das serbische Gesetz über öffentliche Information und Medien.

In 70 Prozent der rechtskräftig abgeschlossenen Verfahren hätten Gerichte eine Verletzung gesetzlich geschützter Rechte festgestellt.

Auch die Medienaufsicht wurde wiederholt mit Beschwerden über Informer konfrontiert.

Allein im Jahr 2025 gingen nach Angaben der serbischen Regulierungsbehörde für elektronische Medien (REM) 38 Beschwerden gegen den Sender ein. Im Rahmen der Wahlaufsicht 2026 wurden bis zum 20. Oktober mindestens 27 weitere Beschwerden registriert.

Bereits zwischen Oktober 2022 und Jänner 2023 hatte der serbische Presserat bei der Tageszeitung Informer 512 Verstöße gegen den journalistischen Ethikkodex festgestellt.

Medienaufsicht dokumentierte massive Verstöße im Wahlkampf

Besonders aufschlussreich ist ein Bericht der REM-Fachabteilung über lediglich zehn Stunden Programm von Informer TV am 27. September 2026.

Darin wurden zahlreiche problematische Aussagen über Kandidaten der Studentenliste dokumentiert.

Diese wurden unter anderem als „Vergewaltiger-Sekten-Liste“, „antisrbische Extremisten“ und „Idioten“ bezeichnet. Einzelne Kandidaten waren persönlichen Beleidigungen, unbelegten Anschuldigungen und Kommentaren über ihren Gesundheitszustand ausgesetzt.

Zudem wurden Aussagen und Videoaufnahmen selektiv präsentiert oder tendenziös zusammengeschnitten. Den Betroffenen wurde keine angemessene Möglichkeit eingeräumt, auf die Anschuldigungen zu reagieren.

Gleichzeitig wurde die Liste von Aleksandar Vučić positiv dargestellt. Die Fachabteilung stellte außerdem die Ausstrahlung eines nicht gekennzeichneten Wahlwerbespots gegen die Studentenliste fest.

Trotz zahlreicher Beanstandungen verhängte der REM-Rat nach den Recherchen von Cenzolovka bis zum 27. Oktober 2026 keine Sanktion gegen TV Informer.

Zivilgesellschaft fordert Entzug der Sendelizenz

Einen Tag nach dem Übergriff auf Informer TV brachten zivilgesellschaftliche Organisationen, Journalistenverbände und Vertreter der Universitäten in Belgrad, Novi Sad und Niš eine Initiative zum Entzug der Sendelizenz ein.

Sie begründeten ihren Antrag mit jahrelangen und systematischen Verstößen gegen gesetzliche Vorschriften und Programmverpflichtungen.

Eine solche Initiative ist von einer politisch angeordneten Schließung zu unterscheiden.

Ob die Voraussetzungen für einen Lizenzentzug vorliegen, muss von den zuständigen unabhängigen Institutionen auf Grundlage des geltenden Rechts geprüft werden. Die Vorwürfe allein ersetzen weder ein ordentliches Verfahren noch eine rechtskräftige Entscheidung.

Pressefreiheit schützt auch Informer – aber nicht vor Verantwortung

Vilimskys Warnung vor einer politisch motivierten Schließung von Informer ist grundsätzlich berechtigt.

Auch ein Medium, dessen Berichterstattung wiederholt gegen journalistische Standards verstößt, genießt den Schutz der Pressefreiheit. Eine demokratische Regierung darf einen Fernsehsender nicht allein deshalb schließen, weil dieser die bisherige politische Führung unterstützt oder die neue Regierung kritisiert.

Pressefreiheit bedeutet allerdings nicht, dass Medien und ihre Verantwortlichen von rechtlicher Verantwortung ausgenommen wären.

Bewusst verbreitete Falschbehauptungen, Verletzungen von Persönlichkeitsrechten und rechtswidrige Anschuldigungen können auch dann Konsequenzen haben, wenn sie von Journalisten ausgehen.

Die berechtigte Verurteilung des Übergriffs vom 26. Oktober darf deshalb nicht dazu führen, dass die dokumentierten Persönlichkeitsverletzungen, Gerichtsurteile und Diffamierungskampagnen der vergangenen Jahre in Vergessenheit geraten.

Wer heute die Pressefreiheit von Informer verteidigt, sollte auch die Rechte jener Menschen berücksichtigen, die selbst zum Ziel der Berichterstattung des Senders wurden.

Dazu gehören investigative Journalisten, politische Oppositionelle, österreichische Europaabgeordnete und nicht zuletzt Angehörige der Opfer von Novi Sad wie Dijana Hrka.

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⁠Vilimsky, Übergriff und politische Lage

Umfangreiche Dokumentation der Berichterstattung von Informer (in serbischer Sprache)

Dijana Hrka und die Opfer von Novi Sad (in serbischer Sprache)

Gerichtsurteile gegen Informer (in serbischer Sprache)

Beispiele für Veröffentlichungen von Informer

Die folgenden Originalartikel dokumentieren die verwendete Sprache und die jeweiligen Anschuldigungen (in serbischer Sprache).

Angriffe auf österreichische Politiker (in serbischer Sprache)

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