Die serbische Studentenliste hat bei der vorgezogenen Parlamentswahl vom 25. Oktober auch unter den Auslandswählern in Österreich einen deutlichen Sieg errungen. Nach den am 28. Oktober veröffentlichten Ergebnissen der serbischen Wahlkommission (RIK) entfielen an den sechs österreichischen Wahllokalen insgesamt 4.978 Stimmen auf die Liste „Studenti pobeđuju“. Das entspricht 73,88 Prozent aller abgegebenen Stimmen.
Das Wahlbündnis „Ujedinjena Srbija“ des ehemaligen Staatspräsidenten Aleksandar Vučić (SNS) erreichte dagegen lediglich 1.641 Stimmen beziehungsweise 24,35 Prozent. Damit liegt die Studentenliste in Österreich mehr als 49 Prozentpunkte vor dem bisherigen Regierungslager.
Wien stimmt besonders deutlich für die Studentenliste
Besonders ausgeprägt ist das Ergebnis in der österreichischen Bundeshauptstadt. An den vier Wahllokalen der serbischen Botschaft in Wien erhielt die Studentenliste insgesamt 4.232 Stimmen. Das entspricht 76,96 Prozent der dort abgegebenen Stimmen. Auf Vučićs Wahlbündnis entfielen 1.171 Stimmen beziehungsweise 21,29 Prozent.
Die wichtigsten Zahlen im Vergleich
Ergebnisse der serbischen Parlamentswahlen 2023 und 2026 an den österreichischen Wahlstandorten.
| Kennzahl | 2023 | 2026 |
|---|---|---|
| Wahllokale | 5 | 6 |
| Registrierte Wahlberechtigte | 3.830 | 10.484 |
| Abgegebene Stimmen | 2.833 | 6.738 |
| Wahlbeteiligung | 73,97 % | 64,27 % |
| Vučić-Liste | 1.424 | 1.641 |
| Stimmenanteil Vučić | 50,26 % | 24,35 % |
| Führende Oppositionsliste* | 977 | 4.978 |
| Stimmenanteil | 34,49 % | 73,88 % |
* Vergleich der Oppositionslisten: 2023 trat die Liste „Srbija protiv nasilja“ an, 2026 die Studentenliste. Die beiden Listen sind organisatorisch und politisch nicht identisch.
Redaktioneller Hinweis: Die Beteiligungsquoten beziehen sich ausschließlich auf die für die jeweilige Wahl registrierten serbischen Auslandswähler in Österreich, nicht auf sämtliche dort lebenden serbischen Staatsbürger.
Quelle: Republikanische Wahlkommission Serbiens (RIK). Ergebnisse vom 9. Jänner 2024 und 28. Oktober 2026.
Am deutlichsten fiel das Ergebnis im Wiener Wahllokal Nummer sechs aus. Dort erreichte die Studentenliste 80,21 Prozent, während „Ujedinjena Srbija“ lediglich 18,14 Prozent erhielt.
Auch in Salzburg und Linz setzte sich die Studentenliste durch, allerdings mit geringeren Stimmenanteilen. In Salzburg erreichte sie 60,75 Prozent, in Linz 59,02 Prozent. Vučićs Wahlbündnis kam an diesen Standorten auf 37,96 beziehungsweise 37,89 Prozent.
Vergleich mit 2023: Vučić verliert seine Mehrheit in Österreich
Das Ergebnis markiert einen grundlegenden Wandel gegenüber der letzten serbischen Parlamentswahl vom Dezember 2023.
Damals hatte die Liste „Aleksandar Vučić – Srbija ne sme da stane“ in Österreich noch 1.424 Stimmen und damit 50,26 Prozent aller abgegebenen Stimmen erhalten. Das damalige Oppositionsbündnis „Srbija protiv nasilja“ erreichte 977 Stimmen beziehungsweise 34,49 Prozent.
Drei Jahre später ist das Kräfteverhältnis deutlich verändert. Während die Studentenliste 2026 nahezu drei Viertel aller Stimmen auf sich vereint, fällt Vučićs Wahlbündnis auf weniger als ein Viertel zurück.
Der Stimmenanteil der von Vučić angeführten Liste sank damit gegenüber 2023 um 25,91 Prozentpunkte. Bemerkenswert ist allerdings, dass sie absolut betrachtet sogar mehr Stimmen erhielt als bei der vorherigen Wahl: 1.641 gegenüber 1.424.
Die Studentenliste ist nicht unmittelbar mit dem Oppositionsbündnis von 2023 gleichzusetzen. Sie entstand aus der studentischen Protestbewegung und trat als eigenständige politische Kraft an. Dennoch verdeutlichen die Ergebnisse eine erhebliche Verschiebung der politischen Präferenzen unter den in Österreich registrierten serbischen Auslandswählern.
Mehr als doppelt so viele Stimmen – aber niedrigere Wahlbeteiligung
Eine weitere auffällige Entwicklung betrifft die Beteiligung an der Wahl.
Im Dezember 2023 waren an den fünf österreichischen Wahllokalen insgesamt 3.830 Personen registriert. Davon machten 2.833 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Die Wahlbeteiligung lag bei 73,97 Prozent.
Bei der Parlamentswahl 2026 stieg die Zahl der registrierten Wahlberechtigten auf 10.484. Insgesamt gaben 6.738 Personen ihre Stimme ab.
Damit wurden in Österreich 3.905 Stimmen mehr abgegeben als 2023. Das entspricht einem Anstieg um rund 138 Prozent.
Trotz dieses erheblichen Zuwachses sank die Wahlbeteiligung auf 64,27 Prozent und lag damit um 9,70 Prozentpunkte unter dem Wert von 2023.
Die Ursache liegt vor allem im deutlich stärkeren Wachstum der Wählerregistrierungen. Während sich die Zahl der abgegebenen Stimmen mehr als verdoppelte, stieg die Zahl der registrierten Wahlberechtigten um rund 174 Prozent.
Regional zeigen sich dabei erhebliche Unterschiede. In Wien lag die Wahlbeteiligung bei 61,45 Prozent, in Salzburg bei 80,43 Prozent und in Linz bei 81,17 Prozent.
Die niedrigere Beteiligungsquote bedeutet somit keineswegs eine geringere Mobilisierung in absoluten Zahlen. Vielmehr beteiligten sich 2026 erheblich mehr serbische Staatsbürger in Österreich an der Wahl als drei Jahre zuvor.
Vorwürfe mutmaßlicher Wahlmanipulation im Vorfeld
Die außergewöhnlich hohe Zahl der Wählerregistrierungen erhält zusätzliche politische Brisanz durch Enthüllungen des serbischen Investigativportals KRIK, über die Westbalkan Briefing bereits am 22. Oktober berichtet hatte.
Geheime Video- und Tonaufnahmen hatten Hinweise auf mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei der Registrierung serbischer Auslandswähler in Wien geliefert.
Im Zentrum der Recherchen standen ein der Serbischen Fortschrittspartei (SNS) nahestehender Verein, eine serbische Bäckerei sowie mögliche Verbindungen zur serbischen Botschaft in Österreich.
Die Aufnahmen warfen Fragen darüber auf, ob die Registrierung von Auslandswählern durch parteinahe Strukturen gezielt beeinflusst worden sein könnte.
Kleinere Parteien bleiben bedeutungslos
Abseits der beiden dominierenden Listen spielten die übrigen politischen Kräfte unter den serbischen Auslandswählern in Österreich praktisch keine Rolle.
Die Sozialistische Partei Serbiens (SPS) von Ivica Dačić erhielt lediglich elf Stimmen. Das proeuropäische Wahlbündnis „Evropska Srbija“ um Marinika Tepić und Zdravko Ponoš erreichte 21 Stimmen.
Auch die nationalkonservative Liste „Autentična desnica“ von Miloš Jovanović blieb mit insgesamt 17 Stimmen weit hinter den beiden führenden Wahlbündnissen zurück.
Damit konzentrierten sich 98,23 Prozent sämtlicher in Österreich abgegebener Stimmen auf die Studentenliste und das Wahlbündnis von Aleksandar Vučić.
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