Österreichs neuer Botschafter in Serbien, Enno Drofenik, hat am Montag in Belgrad sein Beglaubigungsschreiben an Präsident Aleksandar Vučić (SNS) überreicht. Bei dem ersten offiziellen Gespräch standen die Wirtschaftsbeziehungen, weitere Investitionen, die EXPO 2027 und der EU-Beitrittsprozess Serbiens im Mittelpunkt. Drofenik übernimmt sein Amt in einer Phase, in der die traditionell engen Beziehungen zwischen Wien und Belgrad zuletzt auch politischen Belastungen ausgesetzt waren.
Vučić setzt auf Wirtschaft und politischen Dialog
Vučić bezeichnete Österreich anlässlich des Treffens als einen der wichtigsten Wirtschaftspartner Serbiens und einen der größten Investoren im Land. Mit Drofenik habe er über eine weitere Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, neue Investitionen und die Intensivierung des politischen Dialogs gesprochen.
Der serbische Präsident hob zugleich die Unterstützung Österreichs für den EU-Beitrittsprozess Serbiens hervor. Die Teilnahme Österreichs an der EXPO 2027 in Belgrad bezeichnete Vučić als weitere Gelegenheit, Unternehmen beider Länder stärker miteinander zu vernetzen und neue Kooperationen zu ermöglichen.
Die Österreichische Botschaft in Belgrad erklärte nach der Übergabe des Beglaubigungsschreibens, man freue sich auf eine weitere Vertiefung der engen Beziehungen zwischen Österreich und Serbien.
Politische Irritationen zwischen Wien und Belgrad
Die bilateralen Beziehungen waren in den vergangenen Monaten allerdings nicht frei von Spannungen. Für erhebliche Irritationen in Belgrad sorgte insbesondere das Auftreten von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) im Zusammenhang mit den regierungskritischen Protesten in Serbien.
Ende April 2025 hatte Meinl-Reisinger zunächst Belgrad besucht und dort gegenüber dem damaligen serbischen Außenminister Marko Djurić die österreichische Unterstützung für Serbiens EU-Perspektive bekräftigt, zugleich aber Fortschritte bei Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Meinungsfreiheit eingefordert.
Nur einen Tag später empfing die Außenministerin in Wien serbische Studierende, die im Rahmen eines Protestlaufs von Belgrad nach Brüssel unterwegs waren. Meinl-Reisinger würdigte deren Engagement und erklärte, deren Forderungen nach Fortschritt, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit entsprächen auch den Zielen der Europäischen Union.
Die Reaktion aus Belgrad fiel scharf aus. Djurić warf Meinl-Reisinger eine „direkte und grobe Einmischung in die innenpolitischen Angelegenheiten Serbiens“ vor und kritisierte insbesondere, dass der Auftritt unmittelbar auf ihre offiziellen Gespräche mit der serbischen Regierung gefolgt war.
Vor diesem Hintergrund erhält Vučićs ausdrücklicher Wunsch nach einer Intensivierung des politischen Dialogs beim Amtsantritt Drofeniks zusätzliche Bedeutung. Mit der Übergabe des Beglaubigungsschreibens hat der neue österreichische Botschafter sein Amt in Serbien nun auch offiziell angetreten.
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