Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger hat in Wien serbische Studierende empfangen, die im Rahmen eines mehrwöchigen Protestlaufs von Belgrad nach Brüssel unterwegs sind. Die Gruppe aus 21 Teilnehmern traf am Dienstagabend in der österreichischen Hauptstadt ein und wurde von Unterstützern mit lautstarken Sprechchören der serbischen Protestbewegung begrüßt.
Der Ultramarathon mit dem Titel „Track to Brussels“ umfasst rund 1.950 Kilometer und soll die anhaltenden Massenproteste in Serbien international sichtbar machen. Die Teilnehmer wollen mit ihrer Aktion auf politische Missstände aufmerksam machen und den Druck auf die serbische Regierung erhöhen.
Empfang im Zentrum Wiens
Der Empfang der Studierenden fand auf dem Platz Am Hof im Zentrum Wiens statt. Zahlreiche Unterstützer versammelten sich dort, um die Läufer zu begrüßen. Immer wieder war der Slogan der Protestbewegung zu hören: „Pumpaj!“ – ein Ausdruck, der sinngemäß dazu aufruft, den politischen Druck zu erhöhen.
Auch Außenministerin Meinl-Reisinger nahm an der Veranstaltung teil und richtete sich mit einer kurzen Ansprache an die Teilnehmer. In ihrer Rede auf Englisch gratulierte sie den Studierenden zu ihrem Engagement und würdigte den symbolischen Charakter ihres Marsches.
Sie bezeichnete die Aktion als Ausdruck von Mut und politischem Engagement. Die Studierenden sollten sich nicht dafür schämen, ihre Forderungen öffentlich zu formulieren.
„Was ihr wollt, ist auch das, was die Europäische Union will: Fortschritt, Ergebnisse, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und eine Perspektive für euch alle“, erklärte die Außenministerin unter Applaus der Anwesenden.
Fortsetzung der serbischen Protestbewegung
Die Aktion der Studierenden steht im Zusammenhang mit den anhaltenden Protesten gegen die Regierung von Präsident Aleksandar Vučić. Seit Monaten mobilisieren verschiedene zivilgesellschaftliche Gruppen, Studierendenorganisationen und Oppositionsinitiativen gegen das politische System des Landes.
Mit ihrem Lauf nach Brüssel wollen die Teilnehmer die Protestbewegung über die Grenzen Serbiens hinaus sichtbar machen und europäische Institutionen stärker auf die Entwicklungen im Land aufmerksam machen.
Der Protestmarsch knüpft an eine ähnliche Aktion im April an, als serbische Aktivisten mit Fahrrädern durch mehrere europäische Städte reisten und ebenfalls in Wien empfangen wurden.
Politisches Signal aus Wien
Mit ihrer Teilnahme an der Veranstaltung setzte Meinl-Reisinger ein sichtbares politisches Signal. Sie ist die erste österreichische Regierungsvertreterin, die sich öffentlich mit der aktuellen serbischen Protestbewegung solidarisiert hat.
Scharfe Kritik aus Belgrad
Der Auftritt der österreichischen Außenministerin bei dem Empfang in Wien stieß in Belgrad auf deutliche Kritik. Serbiens Außenminister Marko Djurić bezeichnete Meinl-Reisingers Teilnahme laut serbischen Medien als „direkte und grobe Einmischung in die innenpolitischen Angelegenheiten Serbiens“.
Djurić verwies darauf, dass die österreichische Ministerin nur einen Tag zuvor in Belgrad empfangen worden sei und dort Gespräche mit der serbischen Regierung geführt habe. Vor diesem Hintergrund sei ihr Auftritt bei einer Veranstaltung mit regierungskritischen Aktivisten besonders problematisch.
Ein solches Verhalten entspreche nicht den diplomatischen Grundsätzen und gebe Anlass zu großer Sorge, erklärte der serbische Außenminister laut Berichten serbischer Medien.
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