Zum Weltfrauentag

„dokFilm“-Premiere „Wenn Frauen Männer werden müssen – Burrneshas in Albanien“

© ORF

Im Rahmen seines Programmschwerpunkts zum Weltfrauentag sendet der ORF am 1. März um 23.05 Uhr in ORF 2 sowie auf ORF ON den Dokumentarfilm „Wenn Frauen Männer werden müssen – Burrneshas in Albanien“. Die Produktion ist Teil der Reihe dokFilm und rückt ein soziales Phänomen in den albanischen Alpenregionen in den Fokus, das historisch tief in traditionellen Gesellschaftsstrukturen verankert ist.

Der Film der Regisseurinnen Kristine Nrecaj und Birthe Templin begleitet sechs sogenannte Burrneshas in Nordalbanien über einen längeren Zeitraum. In streng patriarchal geprägten Gemeinschaften übernehmen diese Frauen gesellschaftlich definierte Männerrollen. Mit dem Schritt geht ein öffentliches Gelübde einher, auf Ehe, Sexualität und Mutterschaft zu verzichten. Im Gegenzug erhalten sie sozialen Status und Handlungsspielräume, die Frauen sonst vielfach verwehrt bleiben.

Traditionelle Rollenbilder und soziale Konstruktion von Identität

Das Phänomen der Burrneshas ist historisch vor allem in abgelegenen Bergregionen Nordalbaniens dokumentiert. Dort existierten über Jahrhunderte hinweg klare geschlechtsspezifische Hierarchien, die Eigentumsrechte, Bewegungsfreiheit und gesellschaftliche Autorität überwiegend Männern zuschrieben. Der Rollenwechsel bot einzelnen Frauen die Möglichkeit, innerhalb dieser Ordnung eine rechtlich und sozial anerkannte Position einzunehmen.

Die Dokumentation zeigt, wie Identität in diesem Kontext weniger als individuelle Selbstdefinition, sondern vielmehr als gesellschaftlich geregeltes Konstrukt verstanden wird. Kleidung, Auftreten und soziale Interaktion folgen klaren Normen. Anerkennung erfahren Burrneshas nur, solange sie diese Regeln konsequent einhalten. Der Film arbeitet heraus, dass die gewonnene Freiheit stets an Bedingungen geknüpft bleibt.

Individuelle Motive zwischen Zwang und Selbstbestimmung

Die porträtierten Frauen schildern unterschiedliche Beweggründe für ihre Entscheidung. Einige wollten Zwangsehen entgehen, andere sahen sich aufgrund wirtschaftlicher Not oder familiärer Verantwortung zu diesem Schritt veranlasst. Für manche bedeutete der Rollenwechsel die einzige realistische Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Gleichzeitig verdeutlicht die Dokumentation, dass dieser Weg mit erheblichen persönlichen Einschränkungen verbunden ist. Der Verzicht auf Partnerschaft und eigene Familie wird als dauerhafte Konsequenz akzeptiert. Die Produktion zeichnet dabei kein vereinfachtes Befreiungsnarrativ, sondern zeigt die Ambivalenz zwischen sozialer Anerkennung und individuellem Verlust.

In ruhigen, beobachtenden Bildern entsteht ein vielschichtiges Porträt von Frauen, deren Lebenswege eng mit traditionellen Ehrvorstellungen, familiären Verpflichtungen und gesellschaftlichen Erwartungen verwoben sind. Die Ausstrahlung am 1. März setzt das Thema in einen breiteren Kontext der internationalen Debatte über Gleichberechtigung und Geschlechterrollen.

redaktion

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