Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird am 8. August erstmals zu einem offiziellen Staatsbesuch in Belgrad erwartet. Wie das serbische Präsidialamt mitteilte, wird Präsident Aleksandar Vučić (SNS) seinen ukrainischen Amtskollegen zu bilateralen Gesprächen empfangen.
Der Besuch gilt als außenpolitisch bemerkenswert. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges verfolgt Serbien einen schwierigen Balanceakt: Belgrad unterstützt zwar die territoriale Integrität der Ukraine, weigert sich jedoch weiterhin, sich den EU-Sanktionen gegen Russland anzuschließen. Gleichzeitig steht Vučić innen- und außenpolitisch unter wachsendem Druck. Die Europäische Union kritisiert seit Monaten Defizite bei Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Medienfreiheit in Serbien. Vor diesem Hintergrund dürfte der Empfang Selenskyjs auch als Versuch gewertet werden, gegenüber Brüssel außenpolitische Handlungsfähigkeit und Dialogbereitschaft zu demonstrieren.
Gleichzeitig stellte Vučić im Vorfeld des Besuchs klar, dass der Empfang des ukrainischen Präsidenten keinen Kurswechsel in der Russlandpolitik Serbiens bedeute. Auf die Frage nach einem möglichen Beitritt zu den EU-Sanktionen gegen Russland verwies er darauf, dass Serbien seine Position bereits vor Jahren festgelegt habe und diese „bis auf Weiteres“ unverändert bleibe.
Zugleich unterstrich Vučić jene Punkte, die aus serbischer Sicht das Verhältnis zur Ukraine trotz des Krieges erleichtern. Er erinnerte daran, dass Kiew die Unabhängigkeit des Kosovo bis heute nicht anerkannt habe und bei den beiden Gipfeln Ukraine–Südosteuropa keine Vertreter Prishtinas eingeladen worden seien. Diese Haltung seien „Dinge, die wir respektieren müssen“, betonte der serbische Präsident.
Nach Angaben Vučićs sollen bei dem Treffen insbesondere der europäische Integrationsprozess beider Länder, die bilaterale Wirtschaftskooperation sowie die Zusammenarbeit im Energiebereich im Mittelpunkt stehen. Beide Staaten befänden sich auf ihrem Weg in die Europäische Union in einer vergleichbaren Situation und stünden vor ähnlichen Herausforderungen, erklärte der Präsident. Man wolle darüber sprechen, wie beide Länder voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen könnten.
Zuletzt trafen sich Vučić und Selenskyj am 15. Juli am Rande des Ukraine–Südosteuropa-Gipfels in Kiew. Der Besuch am 8. August ist der erste offizielle bilaterale Staatsbesuch des ukrainischen Präsidenten in Belgrad seit seinem Amtsantritt.
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