Während sich Montenegro seinem Ziel einer EU-Mitgliedschaft weiter annähert, baut auch Österreich seine Beziehungen zu dem kleinen Adria-Staat aus. Bei einer hochrangigen Delegationsreise nach Podgorica hat die Steiermark mehrere Partnerschaftsabkommen mit Montenegro unterzeichnet und damit die Zusammenarbeit in zentralen Zukunftsbereichen auf eine neue Grundlage gestellt. Die zweitägige Reise unter Leitung von Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP) unterstreicht nicht nur die traditionell engen Beziehungen zwischen Österreich und Montenegro. Sie zeigt auch, dass einzelne österreichische Bundesländer zunehmend eine eigenständige Rolle bei der wirtschaftlichen und institutionellen Anbindung des Westbalkans an die Europäische Union spielen.
Politische Partnerschaft mit strategischer Dimension
Im Zentrum des Besuchs stand die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung zwischen der Steiermark und der montenegrinischen Regierung. Das Dokument wurde von Khom und dem stellvertretenden Premierminister sowie Wirtschaftsminister Nik Gjeloshaj unterzeichnet. Die Vereinbarung umfasst eine Reihe von Bereichen, die für Montenegros Modernisierung und EU-Annäherung von besonderer Bedeutung sind. Dazu gehören Bildung, Wissenschaft und Forschung, erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Wirtschaft, europäische Integration, Katastrophenschutz sowie kommunale Verwaltung. Khom machte bei der Unterzeichnung deutlich, dass die Unterstützung Montenegros auf seinem Weg in die Europäische Union ausdrücklich Teil der steirischen Strategie sei. Montenegro sei „ein kleines Land mit großen Chancen“, dessen Potenziale gemeinsam erschlossen werden sollten. Österreich und die Steiermark sähen die Staaten des Westbalkans als Teil der europäischen Zukunft. Damit reiht sich die Initiative in die österreichische Politik ein, die den Westbalkan seit Jahren als strategische Erweiterungsregion betrachtet.
Wirtschaftskammern schaffen neue Plattform für Unternehmen
Parallel zur politischen Vereinbarung unterzeichneten auch die Wirtschaftskammern der Steiermark und Montenegros ein Memorandum über eine intensivere Zusammenarbeit. Die Präsidentin der Wirtschaftskammer Montenegros, Nina Drakić, verwies dabei auf die bereits starke wirtschaftliche Präsenz Österreichs im Land. Österreich gehöre seit Jahren zu den wichtigsten Investoren und Wirtschaftspartnern. Gleichzeitig bestehe erhebliches Potenzial für einen weiteren Ausbau der Handelsbeziehungen, insbesondere bei Exporten, Produktionskapazitäten und gemeinsamen Investitionsprojekten. Das Memorandum soll künftig als institutionelle Plattform dienen, um Unternehmen beider Länder stärker miteinander zu vernetzen und konkrete Projekte zu entwickeln.

Wirtschaftsforum bringt Unternehmen zusammen
Ein Höhepunkt der Reise war das Wirtschaftsforum Montenegro–Steiermark in Podgorica, an dem Vertreter zahlreicher Unternehmen beider Länder teilnahmen. Im Mittelpunkt standen Branchen, die sowohl für die wirtschaftliche Entwicklung Montenegros als auch für die internationale Positionierung der Steiermark von Bedeutung sind. Dazu gehörten insbesondere Forstwirtschaft und Holzverarbeitung, Abfallwirtschaft, Wasseraufbereitung, Umwelttechnologien sowie nachhaltige Infrastruktur. Der Vizepräsident der Wirtschaftskammer Montenegro, Pavle Radovanović, betonte die besondere Rolle österreichischer Unternehmen bei der Modernisierung der montenegrinischen Wirtschaft. Investitionen, Know-how-Transfer und langjährige Partnerschaften hätten wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beigetragen. Auch Khom stellte die wirtschaftliche Zusammenarbeit in einen größeren europäischen Zusammenhang. Die Steiermark betrachte den Westbalkan als Teil einer gemeinsamen europäischen Zukunft. Gerade wirtschaftliche Verflechtungen seien ein wichtiger Beitrag zur Stabilität und langfristigen Entwicklung der Region.

Umwelt- und Infrastrukturprojekte gewinnen an Bedeutung
Besonderes Interesse galt während des Forums den Bereichen Kreislaufwirtschaft, Abfallmanagement und Wasserinfrastruktur. Muradif Grbović vom kommunalen Unternehmen „Lim“ aus Bijelo Polje verwies darauf, dass Montenegro in diesen Bereichen weiterhin erheblichen Nachholbedarf habe. Viele europäische Staaten hätten Herausforderungen, mit denen Montenegro heute noch kämpfe, bereits vor Jahrzehnten gelöst. Moderne Abfallwirtschaft werde dort längst nicht mehr als Kostenfaktor, sondern als wirtschaftliche Ressource betrachtet. Großes Interesse weckte auch die steirische Umweltfirma Saubermacher. Unternehmensvertreter Dejan Mudrin erklärte, dass das Unternehmen seine Aktivitäten im Balkan ausbauen wolle. Dabei setze man insbesondere auf Modelle öffentlich-privater Partnerschaften, die in zahlreichen europäischen Staaten erfolgreich eingesetzt würden. Die Diskussion verdeutlichte, dass die Modernisierung kommunaler Infrastruktur zunehmend zu einem wichtigen Feld österreichisch-montenegrinischer Zusammenarbeit wird.
Bildung, Wissenschaft und Innovation als neue Säulen
Neben Wirtschaft und Investitionen spielte auch die akademische Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. Treffen mit der Universität Montenegro sowie Gespräche über Forschungskooperationen sollen künftig neue Verbindungen zwischen Bildungseinrichtungen beider Regionen schaffen. Die politische Vereinbarung sieht ausdrücklich eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft, Innovation und Technologietransfer vor. Gerade vor dem Hintergrund des EU-Beitrittsprozesses gewinnt dieser Bereich an Bedeutung. Viele Reformen im Bildungs- und Forschungssektor orientieren sich unmittelbar an europäischen Standards und Programmen.
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