Mit Staatsbesuchen in Serbien und Nordmazedonien hat der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin ein deutliches Signal für die wachsende strategische Bedeutung des Westbalkans gesetzt. Begleitet von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation vertiefte Parmelin die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu beiden Ländern. Im Mittelpunkt standen Innovation, Investitionen, Reformpartnerschaften sowie die europäische Perspektive der Region.
Während in Belgrad das 110-jährige Bestehen der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Serbien gefeiert wurde, schrieb der Besuch in Skopje Geschichte: Erstmals überhaupt besuchte ein Schweizer Bundespräsident Nordmazedonien offiziell.
Serbien als wichtigster Partner der Schweiz im Westbalkan
Serbien nimmt innerhalb der Schweizer Westbalkan-Strategie eine Schlüsselrolle ein. Das Land ist der wichtigste Handelspartner der Schweiz in der Region, Schwerpunktland der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und Mitglied derselben Stimmrechtsgruppe wie die Schweiz in der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds sowie der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.
Beim Treffen mit Präsident Aleksandar Vučić (SNS) standen neben den bilateralen Beziehungen insbesondere die europäische Integration des Westbalkans, die regionale Stabilität sowie internationale sicherheitspolitische Entwicklungen auf der Agenda. Einen wichtigen Stellenwert nahm zudem die serbische Diaspora in der Schweiz ein, der rund 130.000 Menschen angehören und die als bedeutende Brücke zwischen beiden Staaten gilt.
Innovation als neues Fundament der Partnerschaft
Ein zentrales Ergebnis des Besuchs war die Unterzeichnung eines bilateralen Innovationsprogramms zwischen dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und dem serbischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen auszubauen und Innovationen schneller in marktfähige Produkte und Dienstleistungen umzusetzen.
Parallel dazu wurde das neue Kooperationsprogramm für die Jahre 2026 bis 2029 vorgestellt. Es konzentriert sich auf demokratische Regierungsführung, wirtschaftliche Entwicklung, Beschäftigung, Klimaschutz sowie nachhaltige Stadtentwicklung. Innovation und Digitalisierung bilden dabei einen Querschnittsschwerpunkt sämtlicher Projekte.
Präsident Vučić hob insbesondere den Wissenstransfer in Zukunftstechnologien wie künstlicher Intelligenz hervor. Serbien wolle von der technologischen Expertise der Schweiz profitieren und gleichzeitig seine eigenen Kompetenzen bei Forschung und Ausbildung weiterentwickeln.
Wirtschaftliche Beziehungen gewinnen an Dynamik
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern haben sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich intensiviert. Die Schweiz zählt zu den bedeutendsten Investoren in Serbien. Gleichzeitig wächst das Interesse Schweizer Unternehmen an den Bereichen Informationstechnologie, Pharmaindustrie, industrielle Produktion und Infrastruktur.

Im Rahmen seines Aufenthalts traf Parmelin auch Premierminister Đuro Macut (SNS), besuchte den von der Schweiz unterstützten Wissenschafts- und Technologiepark in Belgrad und führte Gespräche mit Unternehmern beider Länder. Die Teilnahme einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation unterstrich den wirtschaftspolitischen Schwerpunkt der Reise.
Darüber hinaus bestätigte die Schweiz ihre Teilnahme an der EXPO 2027 in Belgrad und setzte damit ein weiteres Signal für eine langfristige wirtschaftliche Partnerschaft.
Menschenrechte und Reformen bleiben Bestandteil des Dialogs
Neben wirtschaftlichen Themen sprach Parmelin auch Fragen der demokratischen Entwicklung und der Menschenrechte an. Die Schweiz bekräftigte ihre Unterstützung für Reformprozesse in Serbien und kündigte einen strukturierten Menschenrechtsdialog an, der die institutionelle Zusammenarbeit weiter vertiefen soll.
Auch die Normalisierung der Beziehungen zwischen Serbien und Kosovo wurde als wichtiger Faktor für Stabilität und wirtschaftliche Entwicklung im Westbalkan thematisiert. Zudem tauschten sich beide Seiten über Fragen der europäischen Sicherheitsarchitektur sowie den Schweizer Vorsitz in der OSZE aus.
Historischer Besuch in Nordmazedonien
Nach seinem Aufenthalt in Belgrad reiste Parmelin weiter nach Skopje. Es war der erste offizielle Besuch eines Schweizer Bundespräsidenten in Nordmazedonien und damit eine diplomatische Wegmarke in den Beziehungen beider Länder.
Empfangen wurde Parmelin von Präsidentin Gordana Siljanovska-Davkova. Gespräche führte er außerdem mit Premierminister Hristijan Mickoski (VMRO-DPMNE) sowie Parlamentspräsident Afrim Gashi. Im Mittelpunkt standen die bilateralen Beziehungen, wirtschaftliche Perspektiven sowie die geopolitische Lage im Westbalkan.

Auch hier spielte die Diaspora eine zentrale Rolle. Mehr als 100.000 Menschen mit Wurzeln in Nordmazedonien leben in der Schweiz, rund 40.000 besitzen die Schweizer Staatsbürgerschaft.
Schweizer Wirtschaft sieht Wachstumspotenzial
Obwohl das bilaterale Handelsvolumen mit rund 190 Millionen Euro im Jahr 2025 vergleichsweise überschaubar ist, sehen beide Regierungen erhebliche Wachstumsmöglichkeiten. Bereits heute sind rund 100 Schweizer Unternehmen in Nordmazedonien tätig.
Premierminister Mickoski betonte nach den Gesprächen insbesondere das Potenzial in den Bereichen Wirtschaft, Handel und Investitionen. Voraussetzung für weiteres Wachstum seien stabile politische Rahmenbedingungen, Rechtssicherheit und leistungsfähige staatliche Institutionen.
Ein konkretes Ergebnis des Besuchs ist die Gründung einer Schweizer Handelskammer in Nordmazedonien. Sie soll künftig Unternehmen beider Länder vernetzen und neue Investitionen erleichtern.
Langfristige Reformpartnerschaft
Die Schweiz engagiert sich bereits seit 1992 in Nordmazedonien. Das laufende Kooperationsprogramm bis 2028 unterstützt Reformen in den Bereichen demokratische Regierungsführung, wirtschaftliche Entwicklung sowie Umwelt- und Wasserpolitik.
Parmelin bekräftigte, dass die Schweiz ihren langfristigen Reformansatz fortsetzen werde. Investitionen, Innovation und institutioneller Aufbau seien zentrale Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum und wirtschaftliche Stabilität.
Westbalkan rückt stärker in den Fokus der Schweizer Außenpolitik
Die Besuche in Belgrad und Skopje verdeutlichen den wachsenden Stellenwert des Westbalkans für die Schweizer Außen- und Wirtschaftspolitik. Dabei setzt Bern zunehmend auf eine Kombination aus Investitionen, Innovationsförderung, institutioneller Zusammenarbeit und wirtschaftlicher Vernetzung.
Während Serbien aufgrund seiner wirtschaftlichen Größe und regionalen Bedeutung als strategischer Schlüsselpartner gilt, möchte die Schweiz auch die Beziehungen zu Nordmazedonien auf eine neue Ebene heben. Beide Reisen zeigen, dass Bern den Westbalkan nicht mehr ausschließlich als Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit betrachtet, sondern zunehmend als wirtschaftlichen und geopolitischen Partner mit langfristigem Potenzial.
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