Verkaufsgerüchte

Ringier vor Rückzug aus Serbien? Oppositionschef nennt Käufer – Verlag weist Behauptungen kategorisch zurück

Drei Titelseiten, drei Mal Vučić: Der serbische Präsident ist auf den Frontseiten von Blic omnipräsent – genau diese politische Ausrichtung rückt Oppositionschef Dragan Đilas nun ins Zentrum seiner Kritik. (© Westbalkan Briefing/KI-generierte Collage auf Basis von Original-Titelseiten von Blic und dem Ringier-Logo/Blic/Ringier)

Der serbische Oppositionsführer Dragan Đilas (SSP) behauptet, der Schweizer Medienkonzern Ringier wolle die Tageszeitung Blic verkaufen und Serbien verlassen. Einen vermeintlichen Käufer nennt er gleich mit. Ringier weist gegenüber Westbalkan Briefing sowohl die Verkaufsspekulationen als auch die Vorwürfe von Đilas „kategorisch und unmissverständlich“ zurück und erklärt, es gebe weder Gespräche über einen Verkauf von Blic noch über die Veräußerung anderer Teile seines serbischen Mediengeschäfts. Auch einen Rückzug aus Serbien weist das Unternehmen zurück.

Đilas: „Ringier verkauft Blic und flieht aus Serbien“

Đilas formulierte seine Vorwürfe in der jüngsten Ausgabe seines Podcasts „Dežurni krivac“ (dt. Der ewige Sündenbock). Dabei beschränkte er sich nicht auf einen möglichen Eigentümerwechsel, sondern griff auch die politische Ausrichtung von Blic frontal an.

„Ringier verkauft nach 13 Jahren Unterstützung für das Regime von Aleksandar Vučić Blic und flieht aus Serbien, und dafür gibt es auch einen Grund, denn Blic hat für Vučić viel mehr geleistet als der Informer“, sagte Đilas.

Anschließend warf er dem Medium eine regierungsfreundliche Berichterstattung vor: „Lobeshymnen auf die Regierung, ohne Raum für die Opposition und Kritik an der Regierung. Und all das war für Leser bestimmt, die niemals für die Radikalen waren, mit der Idee, sie in die Wahlenthaltung zu treiben. Das Projekt wurde absolut erfolgreich umgesetzt.“

Đilas nannte zudem einen vermeintlichen Käufer: „Übrigens ist der Blic-Käufer der angebliche Eigentümer von Alo und Studio B.“

Öffentlich überprüfbaren Belege dafür legte der Oppositionschef bisher nicht vor.

Ringier: „Gänzlich falsch“

Ringier weist sowohl die Behauptung eines bevorstehenden Verkaufs als auch die von Đilas erhobenen Vorwürfe zurück.

„Wir weisen sämtliche Behauptungen, Gerüchte und Anschuldigungen, die Herr Dragan Đilas in seinem Podcast geäussert hat sowie alle anhaltenden Spekulationen bezüglich Blic kategorisch und unmissverständlich zurück. Sie sind gänzlich falsch und entbehren jeglicher sachlichen Grundlage“, erklärte Chief Communications Officer Johanna Walser gegenüber Westbalkan Briefing.

Zum möglichen Verkauf wurde der Konzern ebenfalls eindeutig. Ringier führe weder Gespräche über einen Verkauf von Blic noch über die Veräußerung von Teilen des serbischen Mediengeschäfts. Es gebe „keinen Verkaufsprozess, keine fortgeschrittenen Verhandlungen und keinen bevorstehenden Abschluss“.

Auch die Behauptung eines Rückzugs aus Serbien weist Ringier zurück. „Ringier engagiert sich weiterhin uneingeschränkt in Serbien“, erklärte Walser. Blic bleibe „ein zentraler und langfristiger Pfeiler unseres Medienportfolios“.

Der Konzern verweist zugleich auf das 30-jährige Bestehen von Blic, das in diesem Jahr mit Jubiläumsveranstaltungen gefeiert wird.

Auf die konkrete Frage von Westbalkan Briefing, ob aktuelle oder frühere Kontakte oder Gespräche mit dem Eigentümer beziehungsweise Personen aus dem Umfeld von Alo und Studio B über Blic oder andere Teile des serbischen Mediengeschäfts ausgeschlossen werden können, ging Ringier nicht gesondert ein.

Blic entstand in der Milošević-Ära

Die Zeitung entstand 1996 in einer politisch und medial außergewöhnlichen Phase Serbiens. Am 2. April 1996 wurde in der Belgrader „Beograđanka“ die Blic Press d.o.o. gegründet, am 16. September desselben Jahres erschien die erste Ausgabe der von Manojlo „Manjo“ Vukotić konzipierten Tageszeitung. Die Startauflage lag nach Angaben des Unternehmens bei rund 300.000 Exemplaren. Die ersten Ausgaben wurden zunächst kostenlos auf den Straßen Belgrads verteilt, anschließend kostete die Zeitung lediglich einen Dinar.

Politisch fiel die Gründung in die späte Milošević-Ära. Nur wenige Monate nach dem Start von Blic lösten die umstrittenen Kommunalwahlen vom November 1996 massive Bürger- und Studierendenproteste gegen die Regierung aus. Blic positionierte sich in diesem Umfeld bewusst abseits der staatlich kontrollierten Medien; Ringier bezeichnet das Blatt in seiner eigenen Unternehmenschronik für das Gründungsjahr als damals einzige unabhängige Zeitung.

Damit nahm Blic in der serbischen Medienlandschaft der 1990er-Jahre eine besondere Stellung ein. Das Blatt erreichte hohe Auflagen und entwickelte sich in einer politisch stark polarisierten Phase zu einer wichtigen publizistischen Stimme. Diese Entstehungsgeschichte ist auch deshalb relevant, weil Đilas seine heutigen Vorwürfe ausdrücklich mit der politischen Ausrichtung und der traditionellen Leserschaft von Blic begründet.

Nach mehreren Eigentümerwechseln gelangte Blic 2004 zu Ringier. 2010 wurde das serbische Geschäft in das von Ringier und Axel Springer gegründete Gemeinschaftsunternehmen Ringier Axel Springer Media eingebracht. Heute ist Blic wieder Teil des vollständig von Ringier kontrollierten Serbien-Geschäfts.

Ringier hält drei Gesellschaften in Serbien

Der aktuelle Jahresbericht der Ringier-Gruppe dokumentiert die gesellschaftsrechtliche Präsenz des Konzerns in Serbien. Zum 31. Dezember 2025 führt Ringier drei Unternehmen in Belgrad als wesentliche Beteiligungen: Ringier Serbia d.o.o., Ringier Sports Media d.o.o. und New Digital d.o.o. An allen drei Gesellschaften hält der Konzern jeweils 100 Prozent.

Auch das veröffentlichte Portfolio fällt breit aus. Unter Ringier Serbia führt der Jahresbericht Ana.rs, Bisznis, Blic/blic.rs, Blic Good Life, Blic TV, Blic Zdravlje, Blic žena, Bosnainfo.ba, Elevate, Like, Pulsonline.rs, Srpskainfo.com, Superrecepti.rs und Zena.rs an. Hinzu kommt Mojauto.rs im Marketplace-Bereich. Im Segment Sports Media gehört sportal.rs zum Portfolio der Ringier Sports Media Group.

Blic selbst wird im Jahresbericht als Tageszeitung und digitale Nachrichtenplattform geführt, Blic TV als TV-Angebot. Blic žena ist als Print- und Digitalangebot ausgewiesen; Blic Good Life und Blic Zdravlje ergänzen die Marke im digitalen Bereich.

Separate Umsatz-, EBITDA- oder Ergebniszahlen für Blic oder Ringier Serbia veröffentlicht der Jahresbericht nicht. Die ausgewiesenen Finanzkennzahlen beziehen sich auf die gesamte Ringier-Gruppe. Diese erzielte 2025 einen Umsatz von 762,4 Millionen Schweizer Franken und ein EBITDA von 120,3 Millionen Schweizer Franken. Die EBITDA-Marge lag bei 15,8 Prozent; 83 Prozent des EBITDA wurden nach Angaben des Konzerns mit digitalen Produkten erwirtschaftet.

Der von Ðilas genannte Käufer hat eine Ringier-Axel-Springer-Vorgeschichte

Bei dem von Đilas als „Eigentümer von Alo und Studio B“ bezeichneten Medienunternehmer handelt es sich um Saša Blagojević. Nach Angaben des serbischen Unternehmensregisters APR ist Blagojević Alleineigentümer der Alo Media System d.o.o. und hält 100 Prozent der Gesellschaft. Zugleich ist er Alleineigentümer der Global Media Technology d.o.o., über die wiederum Studio B kontrolliert wird.

Alo und Studio B werden in Serbien dem regierungsnahen Medienspektrum zugerechnet. Die grundsätzliche Situation der Medienlandschaft ist seit Jahren Gegenstand deutlicher internationaler Kritik. Das Europäische Parlament beklagt fehlenden politischen Pluralismus in reichweitenstarken serbischen Medien und verweist auf regierungskontrollierte Medien, über die manipulative und gegen politische Gegner gerichtete Narrative verbreitet würden. In seiner jüngsten Bewertung vom Juli 2026 kritisierte es erneut eine seit Jahren verbreitete manipulative, auch gegen die EU gerichtete Berichterstattung regierungskontrollierter Medien. Internationale Journalistenorganisationen wie die European Federation of Journalists warnen ebenfalls vor einer zunehmenden politischen Kontrolle und Vereinnahmung der serbischen Medienlandschaft sowie vor Kampagnen regierungsnaher Medien gegen kritische Journalisten und andere Akteure.

Zwischen Blagojević und dem damaligen Ringier-Axel-Springer-Gemeinschaftsunternehmen besteht bereits eine direkte geschäftliche Vorgeschichte. Ringier Axel Springer Serbia, seinerzeit Teil des 2010 von der Schweizer Ringier AG und der deutschen Axel Springer SE gegründeten Joint Ventures Ringier Axel Springer Media AG, vereinbarte am 31. Mai 2017 den Verkauf der Tageszeitung ALO! und ihres Onlineportals alo.rs an die neu gegründete Dnevne Novine ALO d.o.o. Eigentümer des Käuferunternehmens war Saša Blagojević.

Ringier Axel Springer Serbia begründete die Transaktion damals mit einer stärkeren Konzentration auf Blic und das Digitalgeschäft. Das Unternehmen erklärte, sich künftig auf seine „journalistische Multimedia-Kernmarke BLIC“ sowie den Ausbau seiner Rubrikenportale und digitalen Vermarktungsplattformen konzentrieren zu wollen.

Hinweise auf aktuelle Gespräche über einen Verkauf von Blic an Blagojević ergeben sich daraus allerdings nicht. Auch Đilas selbst hat bislang keine öffentlich überprüfbaren Informationen vorgelegt, die seine Darstellung stützen.

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