Nordmazedoniens Premierminister Hristijan Mickoski (VMRO-DPMNE) hat sich in einem knapp einstündigen Interview mit dem US-Portal Breitbart News so deutlich wie bislang kaum zuvor zur Regierung von US-Präsident Donald Trump bekannt. Skopje sei ein „starker Pfeiler“ amerikanischer Interessen auf dem Balkan und stehe „ohne jeden Zweifel“ an der Seite der Vereinigten Staaten und der Politik Trumps, sagte Mickoski.
Bemerkenswert ist nicht allein die Nähe zu Washington. Mickoski stellt die Beziehungen zu den USA ausdrücklich an die Spitze seiner außenpolitischen Prioritäten – noch vor dem seit Jahrzehnten angestrebten EU-Beitritt.
„Unsere höchste Priorität sind die Beziehungen zu unserem strategischen Partner, den Vereinigten Staaten, und zur derzeitigen Regierung von Präsident Trump“, sagte der Premierminister. Der EU-Beitritt sei für Nordmazedonien erst der „zweite Meilenstein“.
Unterstützung für Trump schon vor dessen Wahlsieg
Mickoski betont gegenüber Breitbart, seine Regierung habe auf Trump gesetzt, als viele europäische Regierungen noch nicht an dessen Rückkehr ins Weiße Haus geglaubt hätten. Bereits im Juli 2024 habe seine damals gerade gebildete Regierung Personen aus Trumps Umfeld empfangen. Mickoski nennt unter anderem den heutigen US-Handelsminister Howard Lutnick, den früheren Kongressabgeordneten Devin Nunes und den aus einer mazedonischen Familie stammenden Rumble-Chef Chris Pavlovski.
Damals habe seine Regierung bereits eine deutliche Botschaft der Unterstützung für Trump übermittelt. Nach dessen Wahlsieg reiste eine nordmazedonische Delegation zur Amtseinführung nach Washington.
Auch die Bevölkerung stehe nach Mickoskis Darstellung außergewöhnlich stark hinter Trump. Dessen Ansehen unter den Bürgern Nordmazedoniens sei „absolut enorm“. Der Premierminister würde Trump daher gerne zu einem offiziellen Besuch empfangen.
Sein Land sei heute der „Dreh- und Angelpunkt amerikanischer Interessen auf dem Balkan“ und ein „starker Pfeiler“ für Washington in der Region, erklärte Mickoski.
„Als Amerika Verbündete brauchte, haben wir uns nicht in der Menge versteckt“
Besonders deutlich wird Mickoski bei der internationalen Zusammenarbeit. Nordmazedonien habe die Vereinigten Staaten auch dann unterstützt, wenn dies innen- oder außenpolitisch Kosten verursacht habe.
„Als Amerika Verbündete brauchte, die Position beziehen, hat sich mein Land nicht in der Menge versteckt“, sagte Mickoski. Skopje habe Washington „schnell, klar und konsequent“ unterstützt und werde dies auch künftig tun.
Nach Angaben des Premierministers nutzen auch Maschinen der US Air Force regelmäßig nordmazedonische Flughäfen. „Jeden Tag landen und starten Flugzeuge der amerikanischen Luftwaffe von unseren Flughäfen“, sagte Mickoski. Nordmazedonien halte seinen Luftraum für amerikanische Militärflugzeuge offen und sei stolz darauf, diese Unterstützung bereitzustellen.
Harte Abrechnung mit Brüssel: „Sie haben uns betrogen und belogen“
Die wohl schärfsten Aussagen des Interviews richtet Mickoski gegen den bisherigen EU-Erweiterungsprozess.
Nordmazedonien habe in den vergangenen Jahrzehnten seine Flagge geändert, seine Verfassung mehrfach geändert und schließlich sogar seinen Staatsnamen geändert. All dies sei unter der Erwartung geschehen, den Weg Richtung Europäische Union freizumachen.
Dann folgt ein ungewöhnlich harter Vorwurf: „Aber leider haben sie uns betrogen und sie haben uns belogen.“
Nach der Namensänderung habe zunächst Frankreich unter Präsident Emmanuel Macron den Beginn der Beitrittsverhandlungen blockiert und eine Änderung der Erweiterungsmethodik verlangt. Anschließend habe Bulgarien neue Bedingungen gestellt und eine weitere Änderung der nordmazedonischen Verfassung verlangt.
Für Mickoski ist dies Ausdruck europäischer Doppelstandards. Bulgarien und Nordmazedonien seien innerhalb der NATO Verbündete, während Sofia innerhalb der EU Bedingungen stelle und den nordmazedonischen Beitrittsprozess blockiere. Das sei „keine sehr freundliche Geste“.
Damit schwäche die EU nach Mickoskis Argumentation letztlich sogar die Süd- und Ostflanke der NATO. Ein wirtschaftlich stärkeres Nordmazedonien könne mehr in seine Streitkräfte und in strategisch wichtige Verkehrswege investieren.
Mickoski über Vance: „Vielleicht war ich der Einzige im Raum, der applaudiert hat“
Auch seine Sympathie für die ideologische Stoßrichtung der Trump-Regierung verbirgt Mickoski nicht.
Die viel diskutierte Rede von US-Vizepräsident JD Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2025 bezeichnete er als „sehr souverän“, direkt und realistisch. Mickoski behauptet sogar, er sei möglicherweise der einzige Teilnehmer im Saal gewesen, der Vance demonstrativ Beifall gespendet habe.
„Ich glaube fest daran, dass diese Art souveräner Rede die Zukunft der Menschheit ist“, sagte Mickoski. Andernfalls drohe der Verlust von „Identität und Glaubwürdigkeit“.
Europa könne sich aus seiner Sicht nicht gleichzeitig auf die amerikanische Sicherheitsgarantie verlassen und politisch auf Distanz zu Washington gehen. Die USA und die Trump-Regierung stellten den „Sicherheitsschirm für unseren Kontinent“ bereit.
Dann wird Mickoski drastisch: „Entweder man ist ein Lügner oder man ist es nicht.“ Das transatlantische Verhältnis sei „kein Frühstücksbuffet“, bei dem sich europäische Staaten aussuchen könnten, was ihnen gefalle. „Entweder sind wir alle zusammen oder wir sind allein.“
China und der „unsichtbare Wirtschaftskrieg“
Noch grundsätzlicher fällt Mickoskis geopolitische Analyse aus. Nordmazedonien befinde sich an der „Frontlinie eines unsichtbaren Schlachtfeldes“ zwischen amerikanischen, europäischen und chinesischen Interessen.
Im Mittelpunkt stehen für ihn die Verkehrskorridore VIII und X. Durch seine geografische Lage zwischen Griechenland und Serbien könne Nordmazedonien zu einem entscheidenden Transitland zwischen den griechischen Häfen und Mitteleuropa werden.
Mickoski warnt insbesondere vor dem chinesischen Einfluss auf den Hafen Piräus und einer künftigen Bahnverbindung über Nordmazedonien, Serbien und Ungarn nach Mitteleuropa.
Sollte China diese Verbindung vollständig erschließen können, werde chinesische Konkurrenz nach seinen Worten den europäischen Markt regelrecht „überschwemmen“, ihn „dominieren“ und schließlich „erobern“. Nordmazedonien sei das noch fehlende Teil dieses infrastrukturellen „Mosaiks“.
Eine Aussage Mickoskis bedarf dabei allerdings der Präzisierung: Er spricht im Interview von einer vollständigen chinesischen Eigentümerschaft am Hafen Piräus. Tatsächlich hält der staatliche chinesische Konzern COSCO 67 Prozent an der Piraeus Port Authority und damit die kontrollierende Mehrheit, nicht jedoch 100 Prozent.
Amerikanisches LNG soll über den Balkan nach Mitteleuropa
Die strategische Annäherung an Washington soll auch wirtschaftliche Folgen haben. Mickoski setzt insbesondere auf amerikanisches Flüssigerdgas.
Über den sogenannten Vertical Corridor und neue Gasverbindungen soll LNG vom griechischen Terminal Alexandroupolis über Nordmazedonien und Serbien bis nach Ungarn und Österreich transportiert werden. Die geplante Kapazität beziffert Mickoski auf drei bis sechs Milliarden Kubikmeter jährlich. Anfang 2028 könnte die Verbindung nach seinen Angaben fertig sein.
Das Projekt bezeichnet er ausdrücklich als Konkurrenz zu russischer Energieinfrastruktur in der Region.
Darüber hinaus spricht Mickoski von zwei geplanten Wasserkraftwerken mit einem Investitionsvolumen von umgerechnet rund 1,29 Milliarden Euro. Zusätzliche Energieproduktion soll wiederum den Aufbau von Rechenzentren ermöglichen. Darüber führe er Gespräche mit Rumble-Chef Chris Pavlovski.
Mickoskis Aussage über „Nullzölle“ stimmt so nicht
Auch beim Handel mit den USA formuliert Mickoski deutlich weitergehend, als es die offiziellen Vereinbarungen hergeben.
Im Breitbart-Interview erklärt er sinngemäß, Nordmazedonien habe für US-Produkte einen Nullzoll eingeführt und umgekehrt würden auch nordmazedonische Waren beim Export in die Vereinigten Staaten mit null Prozent belastet.
Das entspricht in dieser Pauschalität nicht dem im Februar 2026 vom Weißen Haus veröffentlichten Rahmenabkommen. Demnach soll Nordmazedonien die Zölle auf sämtliche amerikanischen Industrie- und Agrargüter abschaffen. Für Waren aus Nordmazedonien sah die Vereinbarung auf US-Seite dagegen grundsätzlich einen reziproken Zollsatz von 15 Prozent vor; nur bestimmte Produktgruppen sollten auf null Prozent gesetzt werden. Nach einem Urteil des US Supreme Court änderte sich die zugrunde liegende amerikanische Zollregelung später erneut.
Was ist Breitbart News?
Auch die Wahl des Mediums ist politisch relevant. Breitbart News ist kein klassisches amerikanisches Nachrichtenmedium, sondern eine ausdrücklich politisch positionierte Nachrichten- und Meinungsplattform.
Das Portal wurde 2007 vom konservativen Publizisten Andrew Breitbart gegründet. Unter dem späteren Chef Steve Bannon entwickelte es sich zu einem der einflussreichsten Medien der populistischen und nationalkonservativen Rechten in den USA. Bannon bezeichnete Breitbart 2016 selbst als „Plattform für die Alt-Right“. In wissenschaftlichen und journalistischen Einordnungen wird das Medium überwiegend der amerikanischen „far right“ zugerechnet; Breitbart selbst weist insbesondere den Vorwurf zurück, rassistische oder antisemitische Positionen zu vertreten. Breitbart spielte insbesondere beim Aufstieg Donald Trumps 2015 und 2016 eine wichtige Rolle. Bannon wechselte im August 2016 von Breitbart in Trumps Präsidentschaftswahlkampf und wurde nach dessen Wahlsieg Chefstratege im Weißen Haus.
Dass Mickoski gerade diesem Medium ein ausführliches Exklusivinterview gibt, verschafft seinen Aussagen damit ein Publikum, das politisch stark mit Trump, „MAGA“, nationaler Souveränität und einer fundamentalen Kritik am liberalen politischen Establishment in den USA und Europa verbunden ist.
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