Nach Angaben der albanischen Zentralbank beliefen sich die österreichischen Direktinvestitionen im ersten Quartal auf 60 Millionen Euro und lagen damit nahezu doppelt so hoch wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Damit verdrängte Österreich die traditionell führenden Investoren Italien und die Niederlande von der Spitze der Quartalsstatistik.
Die österreichischen Investitionen konzentrieren sich vor allem auf die Versicherungswirtschaft, den Energiesektor, das Hotel- und Gastgewerbe sowie die Bauwirtschaft. Zwar wurden im laufenden Jahr keine größeren Einzelinvestitionen österreichischer Unternehmen bekannt, Beobachter führen den deutlichen Anstieg jedoch unter anderem auf die weiterhin dynamische Entwicklung des albanischen Immobilienmarktes zurück, der zunehmend das Bild der ausländischen Direktinvestitionen prägt.
Der Bestand österreichischer Direktinvestitionen erreichte Ende des ersten Quartals 992 Millionen Euro und lag damit rund elf Prozent über dem Vorjahreswert.
Italien und die Niederlande bleiben Schwergewichte
Italien belegte mit neuen Investitionen in Höhe von 49 Millionen Euro den zweiten Platz. Gegenüber dem ersten Quartal 2025 entspricht dies einem Zuwachs von neun Prozent. Mit einem Investitionsbestand von 1,92 Milliarden Euro zählt Italien weiterhin zu den wichtigsten langfristigen Investoren des Landes. Italienische Unternehmen engagieren sich vor allem im Dienstleistungssektor, während italienische Privatpersonen zugleich eine bedeutende Rolle auf dem albanischen Immobilienmarkt spielen.
Nur knapp dahinter folgen die Niederlande mit Neuinvestitionen von 48 Millionen Euro. Trotz eines leichten Rückgangs gegenüber dem Vorjahr bleiben sie mit einem kumulierten Investitionsbestand von 2,83 Milliarden Euro der mit Abstand größte ausländische Investor in Albanien.
Allerdings spiegelt diese Statistik die tatsächliche wirtschaftliche Präsenz niederländischer Unternehmen nur eingeschränkt wider. Ein erheblicher Teil der Investitionen wird über Holdinggesellschaften mit Sitz in den Niederlanden abgewickelt. Das Land gilt aufgrund seines Steuerrechts sowie zahlreicher Doppelbesteuerungsabkommen als bevorzugter Standort für internationale Beteiligungsgesellschaften. Nach dem Rückzug des Energiekonzerns Shell aus den Erdölexplorationsprojekten in Shpirag Ende 2024 sind nur noch wenige große niederländische Industrieinvestoren direkt in Albanien aktiv.
Türkei und Kosovo bauen ihre Position aus
Die Türkei folgt mit Neuinvestitionen von 47 Millionen Euro auf Rang vier. Obwohl der Investitionsfluss im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückging, wuchs der Bestand türkischer Direktinvestitionen auf 1,47 Milliarden Euro. Türkische Unternehmen bleiben insbesondere im Finanzsektor, der Energieversorgung sowie der Rohstoffindustrie stark vertreten.
Die kosovarischen Direktinvestitionen stiegen im ersten Quartal um 22 Prozent auf 32 Millionen Euro. Der Investitionsbestand erhöhte sich innerhalb eines Jahres sogar um 41 Prozent auf 620 Millionen Euro. Die Investitionen konzentrieren sich vor allem auf den Handelssektor und unterstreichen die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung beider Länder.
Immobilienmarkt gewinnt weiter an Bedeutung
Die aktuellen Zahlen bestätigen einen Trend, der sich bereits seit mehreren Jahren abzeichnet. Ein wachsender Anteil der ausländischen Direktinvestitionen fließt in Immobilien- und Bauprojekte. Insbesondere Küstenregionen und die Hauptstadt Tirana ziehen zunehmend internationales Kapital an.
redaktion