In Nordmazedonien beginnen die Feierlichkeiten zum 35. Jahrestag der Unabhängigkeit. Den Auftakt bildet am Sonntagabend ein großes Konzert, weitere Veranstaltungen sollen bis zum Unabhängigkeitstag am 8. September folgen. Der Beginn der Jubiläumsfeiern fällt zugleich in eine Phase des Gedenkens an den Konflikt von 2001: Präsidentin Gordana Siljanovska-Davkova und Premierminister Hristijan Mickoski (VMRO-DPMNE) erinnerten am Wochenende an die zehn Soldaten, die vor 25 Jahren bei Karpalak getötet wurden.
Ohrid steht am Sonntagabend im Mittelpunkt der Feierlichkeiten. Um 20:30 Uhr beginnt im Stadion der Stadt das erste große Konzert einer Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Ein strahlender Tag“.
Die Veranstaltung bildet den Auftakt zu einem mehrwöchigen Programm, mit dem das Land an seine Unabhängigkeit im Jahr 1991 erinnert. Höhepunkt soll der 8. September werden: Am nationalen Unabhängigkeitstag ist ein großes Abschlusskonzert mit dem französischen DJ und Produzenten David Guetta im Stadtstadion vorgesehen.
Premierminister Hristijan Mickoski begleitete den Beginn der Veranstaltungsreihe mit einer kurzen Botschaft in den sozialen Medien: „Ein strahlender Tag! 35 Jahre Unabhängigkeit!“
Bis zum 8. September sind weitere Veranstaltungen angekündigt. Die Organisatoren setzen dabei insbesondere auf Konzerte und bekannte internationale und heimische Künstler.
35 Jahre seit dem Unabhängigkeitsreferendum
Nordmazedonien begeht damit eines der bedeutendsten Staatsjubiläen seit seiner Loslösung vom damaligen Jugoslawien. Am 8. September 1991 stimmte eine deutliche Mehrheit der Teilnehmer eines Referendums für einen souveränen und unabhängigen Staat. Der Jahrestag besitzt entsprechend hohe symbolische Bedeutung für das Land. Die staatlichen Feierlichkeiten erinnern nicht nur an die Erlangung der Unabhängigkeit, sondern auch an die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der vergangenen dreieinhalb Jahrzehnte. Der Auftakt der Feierlichkeiten fällt allerdings in eine Woche, in der Nordmazedonien zugleich an eines der einschneidendsten Ereignisse seiner jüngeren Geschichte erinnert.
25 Jahre nach Karpalak
Am 8. August jährte sich zum 25. Mal der Angriff bei Karpalak während des bewaffneten Konflikts von 2001. Zehn Angehörige der mazedonischen Sicherheitskräfte aus Prilep kamen damals bei einem Angriff der albanischen UÇK auf einen Militärkonvoi ums Leben.
Präsidentin Gordana Siljanovska-Davkova bezeichnete den 8. August 2001 anlässlich des Jahrestages als einen „schwarzen mazedonischen Tag“. Sie erinnerte namentlich an die ermorderten Militärangehörigen Goran Minoski, Darko Veljanoski, Sašo Kitanoski, Vebi Rušidoski, Branko Sekuloski, Pece Sekuloski, Ljube Grujoski, Nane Naumoski, Erdovan Šabanoski und Marko Despotoski.
Der Tag sei auch 25 Jahre später ein schmerzhafter Tag für die Überlebenden, die Angehörigen der Opfer, die Verwundeten und die Bevölkerung von Prilep, erklärte die Präsidentin.
Siljanovska-Davkova verwies zugleich auf Gespräche mit ehemaligen Mitstreitern und Zeitzeugen der Ereignisse. Dabei seien ihr Probleme bei der finanziellen und medizinischen Unterstützung sowie die Forderung nach einer stärkeren Betreuung der Kinder der Betroffenen geschildert worden.
„Wir können die zehn Helden nicht zurückbringen, aber wir können ihre Nächsten und Liebsten entschädigen, indem wir ihnen ein würdiges Leben ermöglichen, das sie verdienen und das sich die Gefallenen für sie gewünscht haben“, erklärte die Präsidentin.
Sie verband das Gedenken zugleich mit grundsätzlichen Fragen zum Umgang mit der Gewalt von 2001. „Wir müssen uns fragen: Sind die Täter mit Recht und Gerechtigkeit konfrontiert worden, haben wir die Gewalt angemessen sanktioniert, haben wir uns wirklich und endgültig von der Anwendung von Gewalt verabschiedet – oder ermutigen wir sie noch immer, indem wir sie tolerieren?“
Mickoski: „Karpalak ist unsere gemeinsame Wunde“
Auch Premierminister Mickoski erinnerte an die Opfer. Es gebe Daten, die „nicht nur Teil des Kalenders“ seien, sondern dauerhaft im kollektiven Gedächtnis eines Volkes verankert blieben. Der 8. August sei ein solcher Tag.
„25 Jahre später hat die Zeit weder den Schmerz ausgelöscht noch unseren Respekt verringert. Jeder Jahrestag erinnere daran, dass Frieden, Freiheit und Heimat Werte seien, die verantwortungsvoll und würdevoll bewahrt werden müssten“, erklärte Mickoski.
Besonders deutlich wurde der Premierminister mit Blick auf die Bedeutung des Gedenkens für die heutige Gesellschaft: „Karpalak ist unsere gemeinsame Wunde, aber auch unsere Verpflichtung, uns zu erinnern.“
Die Namen und das Opfer der Getöteten dürften nicht vergessen werden. Nordmazedonien müsse einen Staat aufbauen, in dem der Respekt gegenüber jenen, die ihre Pflicht gegenüber dem Land erfüllt hätten, „über Zeit, Politik und Spaltungen“ stehe.
„Vor ihrem Andenken verneigen wir uns mit Dankbarkeit und tiefem Respekt. Möge die Erinnerung an die Helden von Karpalak ewig währen“, so Mickoski weiter.
Zwischen Staatsjubiläum und Erinnerung an 2001
Damit stehen die Wochen vor dem 35. Jahrestag der Unabhängigkeit unter zwei unterschiedlichen Vorzeichen. Während die Veranstaltungsreihe in Ohrid den Schwerpunkt auf das Staatsjubiläum und die Feier der Unabhängigkeit legt, erinnert der 25. Jahrestag von Karpalak an die schweren inneren Konflikte, mit denen der junge Staat bereits zehn Jahre nach seiner Unabhängigkeit konfrontiert war.
Der bewaffnete Konflikt von 2001 zwischen mazedonischen Sicherheitskräften und der albanischen Nationalen Befreiungsarmee (UÇK) dauerte mehrere Monate und endete mit dem am 13. August 2001 unterzeichneten Rahmenabkommen von Ohrid. Das Abkommen leitete weitreichende Veränderungen im Verhältnis zwischen der mazedonischen Mehrheit und der albanischen Minderheit ein und bildet bis heute eine wesentliche Grundlage der politischen Ordnung des Landes. Nur wenige Tage nach dem 25. Jahrestag von Karpalak jährt sich damit auch das Rahmenabkommen von Ohrid zum 25. Mal.
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