Die österreichische Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NESO) hat bei ihrem Besuch in Belgrad Ende April die strategische Bedeutung des Westbalkans für die Europäische Union betont. Während ihres zweitägigen Aufenthalts vom 28. bis 29. April führte sie Gespräche mit ihrem serbischen Amtskollegen Marko Djurić (SNS/EVP), tauschte sich mit Vertretern der österreichischen Wirtschaft aus und traf Mitglieder der serbischen Zivilgesellschaft.
Im Zentrum der Gespräche standen die bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und Serbien, der EU-Beitrittsprozess Belgrads sowie die aktuellen geopolitischen Entwicklungen in Europa und darüber hinaus.
Enge historische und wirtschaftliche Verbindungen
Meinl-Reisinger hob die traditionell engen Beziehungen zwischen beiden Ländern hervor. Serbien und Österreich seien nicht nur historisch und kulturell miteinander verbunden, sondern auch durch intensive wirtschaftliche und gesellschaftliche Kontakte.
Besonders sichtbar werde diese Nähe durch die große serbische Gemeinschaft in Österreich, insbesondere in Wien. Gleichzeitig spielen wirtschaftliche Verflechtungen eine zentrale Rolle in den bilateralen Beziehungen. Mehr als achthundert österreichische Unternehmen sind in Serbien tätig und sichern dort rund vierundzwanzigtausend Arbeitsplätze.
Diese wirtschaftliche Präsenz macht Österreich zu einem der wichtigsten internationalen Investoren im Land und zu einem zentralen wirtschaftlichen Partner Belgrads.
EU-Beitritt nur mit klaren Reformschritten
Im Mittelpunkt der politischen Gespräche stand die europäische Perspektive Serbiens. Meinl-Reisinger unterstrich die grundsätzliche Unterstützung Österreichs für eine Erweiterung der Europäischen Union um die Staaten des Westbalkans.
Zugleich machte sie deutlich, dass der Beitrittsprozess an klare Bedingungen gebunden bleibt. Die Einhaltung der europäischen Grundwerte – insbesondere Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Meinungsfreiheit – sei eine unverzichtbare Voraussetzung für den weiteren Fortschritt in den Verhandlungen.
Die EU müsse den Erweiterungsprozess für die Menschen in der Region glaubwürdig und greifbar gestalten. Gleichzeitig müssten die Beitrittskriterien konsequent eingehalten und tatsächlich umgesetzt werden.
Die österreichische Außenministerin betonte zudem, dass ein offenes und dynamisches Serbien langfristig eine wichtige Rolle innerhalb der Europäischen Union spielen könne – insbesondere mit Blick auf die junge Generation, für die die europäische Perspektive eine zentrale Zukunftsfrage darstelle.
Belgrad setzt auf wirtschaftliche Stärke
Serbiens Außenminister Marko Djurić würdigte seinerseits die Rolle Österreichs als wichtigen wirtschaftlichen Partner und Investor. Österreich gehöre zu den zentralen Faktoren, die zur wirtschaftlichen Entwicklung Serbiens und der gesamten Region beitragen.
Österreich ist nach seinen Angaben der drittgrößte Investor im Land. Österreichische Unternehmen bringen nicht nur Kapital, sondern auch neue Technologien und eine stärkere Integration Serbiens in die europäische Wirtschaft.
Djurić betonte zugleich, dass Serbien weiterhin ambitionierte wirtschaftliche Reformen umsetzen und seine Rolle als stabilisierender Faktor im Westbalkan ausbauen wolle. Das Land strebe an, die Voraussetzungen für eine EU-Mitgliedschaft bis Ende zweitausendsechsundzwanzig zu erfüllen – auf Grundlage eines glaubwürdigen und leistungsorientierten Erweiterungsprozesses.
Dialog zwischen Belgrad und Pristina bleibt zentral
Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche war der Dialog zwischen Belgrad und Pristina. Meinl-Reisinger betonte, dass Fortschritte in diesem Prozess eine zentrale Voraussetzung für die europäische Integration der Region seien.
Österreich erwarte sowohl von Serbien als auch vom Kosovo konkrete Schritte zur Normalisierung ihrer Beziehungen. Đurić unterstrich, dass Belgrad weiterhin am Dialog festhalte, zugleich aber auf die Umsetzung bereits vereinbarter Abkommen bestehe – insbesondere auf die Bildung der Gemeinschaft serbischer Gemeinden im Kosovo.
Zugleich verwies der serbische Außenminister auf zunehmende Spannungen, die aus Sicht Belgrads durch einseitige Maßnahmen der kosovarischen Behörden entstanden seien.
Gemeinsame Positionen zu globalen Herausforderungen
Neben regionalpolitischen Themen tauschten sich beide Minister auch über internationale Entwicklungen aus. Dazu gehörten der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Lage im Nahen Osten sowie die wachsende geopolitische Rolle Chinas.
Meinl-Reisinger betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung einer koordinierten europäischen Außenpolitik. Angesichts globaler Krisen müsse Europa geschlossen auftreten und mit einer Stimme sprechen.
Für Österreich bleibe der Westbalkan dabei ein zentraler Bestandteil der europäischen Sicherheits- und Integrationspolitik. Eine stabile und europäisch orientierte Region liege sowohl im Interesse der Europäischen Union als auch der Staaten des Westbalkans selbst.
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