Startup Investment

INTERVIEW | Smartsy-Co-Founder Teodora Pećanac: “Österreich war für uns bereits vor 2 Minuten 2 Millionen von strategischer Bedeutung“

Teodora Pećanac, CMO und Co-Founderin von Smartsy, verantwortet die Marken- und Marketingstrategie des serbischen Startups. (© Smartsy)

Eine Hundebox vor dem Supermarkt als Startup-Idee? Was zunächst nach einem Nischenprodukt klingt, hat dem serbischen Unternehmen Smartsy in Österreich einen bemerkenswerten Erfolg beschert: In der Puls-4-Gründershow „2 Minuten 2 Millionen“ sicherte sich das Startup eine Investition von 500.000 Euro durch den österreichischen Unternehmer und Investor Alexander Schütz.

Das Konzept ist ebenso einfach wie ungewöhnlich. Smartsy entwickelt intelligente, klimatisierte und digital gesteuerte Hundeboxen für Standorte, an denen Tiere nicht mitgenommen werden können. Während ihre Besitzer einkaufen, sollen die Hunde dort sicher und geschützt warten können. Die Boxen verfügen unter anderem über automatische Heizung und Kühlung, eine gesicherte Zugangskontrolle und Live-Überwachung über das Smartphone. Gesteuert wird das System über eine Web-App. 

Westbalkan Briefing hat mit Smartsy über die Idee hinter den intelligenten Hundeboxen, das Geschäftsmodell, die zuletzt deutlich gestiegenen Verluste und die Pläne für Deutschland, Österreich und die Schweiz gesprochen.

Smartsy hat ein ziemlich ungewöhnliches Produkt entwickelt – intelligente Hundeboxen, die Technologie, tierfreundliche Infrastruktur sowie Möglichkeiten für Marketing und Branding miteinander verbinden. Wie entstand die Idee für dieses Produkt und welches konkrete Problem wollten Sie damit lösen?

Die Idee für Smartsy entstand aus einem sehr konkreten Problem, das wir selbst als Hundebesitzer festgestellt haben: Was macht man mit seinem Hund, wenn man in ein Geschäft, ein Einkaufszentrum oder an einen anderen Ort gehen möchte, an den der Hund nicht mitgenommen werden darf? In sehr vielen Fällen sind die Besitzer gezwungen, den Hund im Auto zu lassen oder auf den Besuch eines bestimmten Ortes zu verzichten.

Wir wollten eine Lösung schaffen, die es ermöglicht, dass der Hund sicher, geschützt und komfortabel untergebracht ist, während sein Besitzer einkaufen geht. Sehr schnell haben wir jedoch erkannt, dass das Potenzial des Produkts weit über eine reine „Hundebox“ hinausgeht.

Von links nach rechts: Srđan Radosavljević, Smartsy-Gründer und Geschäftsführer Ivan Milikić, CMO & Co-Founder Teodora Pećanac, Milan Bratić, Aleksandar Divac und Stefan Ivošević. (© Smartsy)

Smartsy ist eigentlich eine Verbindung aus tierfreundlicher Infrastruktur und Technologie. Die Box kontrolliert die Bedingungen im Innenraum und ermöglicht es dem Besitzer, seinen Hund über eine App zu beobachten. Gleichzeitig bietet sie Unternehmen und Marken eine völlig neue physische Plattform für die Kommunikation mit Konsumenten. Auf diese Weise lösen wir ein Problem für drei Seiten – für den Hund, den Besitzer und das Unternehmen, das tierfreundlich sein möchte.

Ihr Produkt richtet sich nicht nur an Hundebesitzer, sondern auch an Händler, Unternehmen und Marken, die die Boxen als Bestandteil tierfreundlicher Infrastruktur und von Marketingkampagnen einsetzen können. Wer ist für Sie eigentlich der wichtigste Kunde – der Hundebesitzer, der Händler oder eine große Marke?

Unser primärer Kunde ist B2B – also ein Unternehmen mit einem physischen Standort, das das Kundenerlebnis verbessern, tierfreundliche Infrastruktur schaffen oder einen zusätzlichen Marketingkanal etablieren möchte.

Das sind vor allem Einzelhandelsketten, Einkaufszentren, Tierhandlungen, Restaurants, Hotels, Tankstellen und andere Unternehmen mit einer großen Zahl an Besuchern, die auf die Bedürfnisse der wachsenden Zahl von Haustierbesitzern eingehen möchten.

Wichtig ist zu erwähnen, dass Smartsy für Hundebesitzer vollkommen kostenlos ist. Genau darin sehen wir einen großen Mehrwert des Smartsy-Modells: Das Unternehmen investiert in die Infrastruktur, während der Endnutzer ein völlig neues und praktisches Erlebnis erhält.

Gleichzeitig ist Smartsy auch für große Marken interessant, weil die Box vollständig gebrandet werden kann und damit Teil einer Marketingkampagne, eines Sponsorings oder einer langfristigen Positionierung der Marke als tierfreundliches Unternehmen werden kann.

Wie viele Menschen arbeiten derzeit bei Smartsy, wo wird das Produkt entwickelt und produziert und aus welchen Ländern kommen Ihre Lieferanten und Technologiepartner?

Smartsy ist nach wie vor ein relativ kleines, aber hoch spezialisiertes Team. Wir entwickeln das Produkt in Serbien, während heute unser Sitz beziehungsweise HQ in Wien ist. Dadurch können wir näher am EU-Markt sowie an Partnern und Kunden sein.

Die Produktentwicklung, die Software und die wichtigsten technischen Komponenten steuern wir aus Serbien. Bei einzelnen Komponenten und Produktionsprozessen arbeiten wir mit spezialisierten Partnern aus verschiedenen europäischen und internationalen Märkten zusammen.

Von Beginn an war uns wichtig, dass Smartsy nicht nur ein lokales Produkt ist, sondern ein in Serbien entwickeltes Produkt, das die Standards großer internationaler Unternehmen erfüllen kann. Heute verfügen wir daher über eine Kombination aus einem Entwicklungsteam in Serbien und einem Business-HQ in Wien, was eine gute Grundlage für unser weiteres Wachstum im DACH-Raum und auf dem breiteren EU-Markt darstellt.

Die Geschäftsergebnisse der serbischen Gesellschaft zeigen laut öffentlich zugänglichen Unternehmensdaten, dass der Umsatz des Unternehmens von rund 72.000 Euro im Jahr 2024 auf rund 51.000 Euro im Jahr 2025 zurückgegangen ist, während der Verlust von rund 68.000 Euro im Jahr 2024 auf mehr als 174.000 Euro im Jahr 2025 gestiegen ist. Wie erklären Sie diese Entwicklung und sind die höheren Verluste auf Investitionen in die Produktentwicklung und die Expansion in neue Märkte zurückzuführen oder gibt es dafür auch andere Gründe?

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Smartsy ein Startup ist, das einen erheblichen Teil seiner Ressourcen in die Produktentwicklung, die Marktvalidierung und die Vorbereitung der internationalen Expansion investiert hat. Unser Produkt erfordert erhebliche Investitionen in Engineering, Elektronik, Software, Prototypen, Tests, Zertifizierung und Produktion. Gleichzeitig erfordert der Eintritt in einen neuen Markt zusätzliche Investitionen in die rechtliche Struktur, den Vertrieb, das Marketing und lokale operative Strukturen.

Daher betrachten wir das Jahr 2025 nicht isoliert anhand von Umsatz und Ergebnis, sondern als ein Jahr der Investitionen in die nächste Wachstumsphase. In diesem Zeitraum haben wir unter anderem an der internationalen Validierung des Produkts gearbeitet und den Eintritt in den EU-Markt vorbereitet.

Smartsy erhielt in der österreichischen Sendung „2 Minuten 2 Millionen“ eine Investition in Höhe von 500.000 Euro. Wie haben Sie sich dazu entschieden, sich gerade für diese Sendung zu bewerben, und wie wichtig war es für Sie, das Produkt österreichischen Investoren und dem österreichischen Publikum zu präsentieren?

Österreich war für uns bereits vor der Sendung von strategischer Bedeutung. Deshalb haben wir „2 Minuten 2 Millionen“ nicht nur als Fernsehauftritt betrachtet, sondern als Möglichkeit, Smartsy auf einem Markt zu präsentieren, auf dem wir präsent sein wollen.

Die Sendung hat uns etwas ermöglicht, das für ein Startup wie unseres sehr wichtig ist – innerhalb kurzer Zeit Zugang zu Investoren, einem Business-Netzwerk und einem breiteren österreichischen Publikum zu erhalten.

Eine Smartsy-Hundebox vor einer BILLA-Filiale in Wien Liesing: Das in Serbien entwickelte System soll nun an mehr als 100 Standorten in Österreich ausgerollt werden. (© Smartsy)

Natürlich konnten wir nicht davon ausgehen, dass das Ergebnis eine Investition von 500.000 Euro sein würde. Wir waren jedoch überzeugt, dass Smartsy ein Produkt ist, dessen Präsentation gerade auf einem Markt wie Österreich sinnvoll ist – einem Markt mit großen Einzelhandelssystemen, einem entwickelten Heimtiersektor und einem sehr ausgeprägten Potenzial für tierfreundliche Infrastruktur.

Wie planen Sie, die Investition von 500.000 Euro einzusetzen?

Wir werden die Investition in erster Linie zur Beschleunigung des Wachstums und nicht zur Aufrechterhaltung des bestehenden Geschäfts verwenden.

Der größte Schwerpunkt wird auf dem Ausbau der Produktionskapazitäten, der Weiterentwicklung des Smartsy-Produkts und der Technologie sowie auf der Ausweitung des Vertriebs im DACH-Markt – Österreich, Deutschland und der Schweiz – liegen.

Ein wichtiger Teil der Investition wird außerdem in den Aufbau lokaler kommerzieller Strukturen, Partnerschaften und Vertriebskanäle fließen, da wir möchten, dass Smartsy in der nächsten Phase von der Produktvalidierung in die Skalierungsphase übergeht.

Mit anderen Worten: Unser Ziel besteht nicht darin, einige Dutzend zusätzliche Boxen zu produzieren, sondern ein System aufzubauen, das Hunderte und später Tausende Smartsy-Einheiten auf unterschiedlichen Märkten unterstützen kann.

Die Investition wurde vom österreichischen Unternehmer und Investor Alexander Schütz bereitgestellt. Welche Vorteile bietet diese Partnerschaft über das finanzielle Kapital hinaus?

Für uns ist der strategische Wert der Partnerschaft ebenso wichtig wie das Kapital selbst.

Die Partnerschaft verschafft uns Zugang zu einem Netzwerk von Kontakten, zum lokalen Markt, zu potenziellen Geschäftspartnern und ein wesentlich besseres Verständnis dafür, wie große Unternehmen in der DACH-Region Entscheidungen treffen.

Für ein Startup ist es außerordentlich wichtig, dass ein Investor nicht nur jemand ist, der Geld investiert, sondern ein Partner, der Türen öffnen kann.

Sie haben die Aufstellung intelligenter Hundeboxen an mehreren Standorten in Wien angekündigt. Warum ist Österreich für Ihre weitere Entwicklung wichtig und was erwarten Sie vom Eintritt in den österreichischen Markt? Planen Sie auch den Eintritt in andere Märkte wie Deutschland und die Schweiz und gibt es bereits Aktivitäten in diese Richtung?

Österreich ist für uns ein außerordentlich wichtiger Markt, weil Smartsy gerade hier bereits einen konkreten Schritt nach vorne gemacht hat. Derzeit haben wir Smartsy-Boxen in BILLA-REWE-Filialen in Wien aufgestellt und arbeiten aktiv daran, diese Partnerschaft weiter auszubauen und die Zahl der Standorte zu erhöhen.

Unsere Ambition ist es, das Netzwerk in der kommenden Zeit erheblich auszubauen und in Österreich mehr als 100 Smartsy-Standorte zu erreichen. Das ist für uns eine sehr wichtige Referenz, weil sie zeigt, dass Smartsy in die Geschäftsabläufe großer internationaler Einzelhandelssysteme integriert werden kann und tierfreundliche Infrastruktur Teil ihres standardmäßigen Kundenerlebnisses werden kann.

Gleichzeitig sehen wir Österreich als Ausgangspunkt für eine breitere Expansion in den DACH-Raum und den EU-Markt. Wir arbeiten bereits daran, Möglichkeiten für den Eintritt in Deutschland und der Schweiz zu schaffen, wo wir ebenfalls großes Potenzial sehen. Unser Ziel ist es, das Modell, das wir derzeit in Österreich über große Handelspartner und ein Netzwerk physischer Standorte entwickeln, erfolgreich auf andere europäische Märkte zu skalieren.

Welche konkreten Ziele haben Sie für die kommenden zwei bis drei Jahre – Ausbau der Produktion, Expansion in Österreich, Deutschland und der Schweiz, Entwicklung neuer Produkte oder Eintritt in weitere Märkte?

Unser Ziel für die kommenden zwei bis drei Jahre ist es, Smartsy von einem Unternehmen, das bewiesen hat, dass sein Produkt funktioniert, zu einem Unternehmen zu entwickeln, das beweist, dass dieses Produkt international skalierbar ist.

Wir möchten, dass Smartsy zu einem anerkannten Standard für tierfreundliche Einzelhandelsinfrastruktur wird. Unsere langfristige Ambition besteht nicht darin, lediglich Hersteller intelligenter Hundeboxen zu sein, sondern ein Unternehmen, das es dem Einzelhandel, Marken und anderen physischen Standorten ermöglicht, Haustiere auf eine völlig neue Art und Weise in ihr Kundenerlebnis zu integrieren.

Smartsy bereits an drei Standorten in Wien

Smartsy ist inzwischen auch in Österreich präsent. Die smarten Hundehäuser des serbischen Start-ups stehen derzeit an drei BILLA-Standorten in Wien: bei BILLA Wittmann in der Willergasse 24/30 im 23. Bezirk, BILLA Aydin in der Breitenleerstraße 148 im 22. Bezirk sowie BILLA Demir in der Hauptstraße 30 im 14. Bezirk.

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