Knapp ein Jahr nach Beginn des ersten umfassenden Frontex-Einsatzes in Bosnien und Herzegowina hat die EU-Grenzschutzagentur ihre Präsenz deutlich ausgebaut. Inzwischen sind 130 Frontex-Beamte bei acht Einheiten der bosnisch-herzegowinischen Grenzpolizei im Einsatz. Gemeinsam kontrollieren sie Grenzen, überprüfen Reisende und unterstützen die Bekämpfung irregulärer Migration und grenzüberschreitender Kriminalität.
Die Grundlage dafür bildet das im Juni 2025 geschlossene Statusabkommen zwischen Bosnien und Herzegowina und der Europäischen Union. Es erlaubt Frontex erstmals eine umfassende operative Tätigkeit in dem Land – auch an Grenzen zu Staaten, die nicht der EU angehören.
Die erste entsprechende Operation begann am 31. Oktober 2025 mit mehr als 100 Frontex-Beamten. Im Laufe dieses Jahres wurde ihre Zahl auf 130 erhöht. Eine weitere Aufstockung bis Ende 2026 ist nach Angaben der Grenzpolizei derzeit nicht vorgesehen.
Einsatz an acht Standorten
Die Frontex-Beamten unterstützen derzeit acht Organisationseinheiten der Grenzpolizei: am Flughafen Sarajewo sowie in Doljani, Trebinje, Hum, Višegrad, Zvornik, Orašje und Velika Kladuša. Sie wirken unter anderem bei Kontrollen in der zweiten Kontrolllinie, bei der Überwachung der Staatsgrenze und beim Screening mit.
Die operative Verantwortung verbleibt dabei vollständig bei Bosnien und Herzegowina. Frontex betont, dass seine Beamten unter dem Kommando und der Koordination der bosnisch-herzegowinischen Grenzpolizei arbeiten und eine unterstützende Funktion haben.
Die Grenzpolizei bewertet die bisherige Zusammenarbeit positiv. Sie stärke die Sicherheit der Staatsgrenze, unterstütze den Kampf gegen irreguläre Migration und grenzüberschreitende Kriminalität und sei zugleich ein wichtiger Bestandteil der Annäherung des Landes an europäische Standards des Grenzmanagements.
Drohnen, Wärmebildkameras und Spezialfahrzeuge
Der Einsatz beschränkt sich nicht auf zusätzliches Personal. Frontex stellt der Grenzpolizei auch technische Ausrüstung zur Verfügung. Dazu gehören Drohnen, Wärmebildkameras und weitere Überwachungstechnik sowie Patrouillenfahrzeuge und mobile Multisensor-Fahrzeuge für die Grenzüberwachung.
Bei einem Besuch der Frontex-Führung in Bosnien und Herzegowina im Juni wurden zudem Vereinbarungen über die Übertragung von IT-Ausrüstung geschlossen. Frontex stellt außerdem Dokumentenlesegeräte und Zugang zu bestimmten EU-Systemen und Instrumenten bereit.
Die Grenzpolizei verweist bei den bisherigen gemeinsamen Aktivitäten unter anderem auf die Aufdeckung irregulärer Grenzübertritte, gefälschter Dokumente sowie Fälle von Waren- und Fahrzeugschmuggel. Bereits 2025 registrierte die Behörde 4.352 Personen beim illegalen Grenzübertritt oder dem Versuch dazu – 61,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Behörde führt den Rückgang auf verstärkte Kontrollen, die Umschichtung von Personal und den Einsatz spezialisierter Technik zurück.
Irreguläre Migration auf der Westbalkanroute geht zurück
Auch auf der gesamten Westbalkanroute ist die Zahl der registrierten irregulären Grenzübertritte rückläufig. Nach Frontex-Angaben sank sie 2025 um rund 42 Prozent. In der ersten Hälfte 2026 wurden an den EU-Außengrenzen insgesamt 37 Prozent weniger irreguläre Grenzübertritte registriert. Die Entwicklung lässt sich allerdings nicht unmittelbar auf den Frontex-Einsatz in Bosnien und Herzegowina zurückführen.
Besondere Bedeutung misst Frontex weiterhin der Grenze zu Serbien bei, die einem vergleichsweise hohen Migrationsdruck ausgesetzt ist. Angaben darüber, wie viele Frontex-Beamte an einzelnen Standorten eingesetzt werden, veröffentlicht die Agentur aus operativen und sicherheitsbezogenen Gründen nicht.
Die Zusammenarbeit soll 2027 fortgesetzt werden. Bis Ende dieses Jahres wollen Grenzpolizei und Frontex den Operationsplan für die gemeinsame Operation „Bosnia and Herzegovina 2027“ fertigstellen. Im Mittelpunkt stehen eine weitere Vertiefung der operativen Zusammenarbeit, eine bessere Risikoanalyse und der Ausbau des Informationsaustauschs sowie der technischen und personellen Kapazitäten der bosnisch-herzegowinischen Grenzpolizei.
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