KPMG-Studie zeigt wachsende Skepsis

Deutsche Unternehmen setzten auf Osteuropa – Westbalkan verliert an Momentum

© KPMG / Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, Screenshot

Die wirtschaftliche Bedeutung Mittel- und Osteuropas für deutsche Unternehmen wächst weiter – doch innerhalb der Region verschieben sich die Prioritäten. Während große EU-Märkte wie Polen, Rumänien und Tschechien zunehmend im Fokus stehen, verliert der Westbalkan in der Investitionsdynamik spürbar an Boden.

Das geht aus dem aktuellen „German CEE Business Outlook 2026“ hervor, den KPMG und der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft Ende März in Berlin vorgestellt haben. Grundlage der Analyse ist eine Befragung von über 100 deutschen Unternehmen mit Aktivitäten in 20 Ländern der Region.

Die Botschaft ist eindeutig: Mittel- und Osteuropa ist längst kein Zukunftsversprechen mehr, sondern ein zentraler Bestandteil aktueller Geschäftsmodelle. Fast jedes fünfte deutsche Exportgut geht heute in die Region – deutlich mehr als in Märkte wie Indien oder die Mercosur-Staaten.

Investitionsdynamik hoch – aber nicht gleich verteilt

Die Studie zeigt eine anhaltend hohe Investitionsbereitschaft: 41 Prozent der befragten Unternehmen planen kurzfristig Engagements in der Region, mittelfristig steigt dieser Wert auf 55 Prozent.

Doch ein genauer Blick auf die Länderverteilung offenbart eine klare Hierarchie. Polen, Ukraine, Rumänien und Tschechien dominieren die Investitionsentscheidungen deutscher Unternehmen. Diese Märkte profitieren von ihrer Größe, EU-Integration und industriellen Basis.

Demgegenüber zeigt sich für Teile des Westbalkans eine gegenläufige Entwicklung: Serbien zählt laut Studie zu den Ländern, in denen die Investitionsaktivität im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist. Damit verliert eines der wichtigsten Zielländer deutscher Investitionen in Südosteuropa relativ an Attraktivität.

Diese Entwicklung ist besonders bemerkenswert, da Serbien in den vergangenen Jahren als industrieller Ankerpunkt für deutsche Unternehmen im Westbalkan galt.

Westbalkan zwischen Potenzial und strukturellen Defiziten

Die Ergebnisse spiegeln ein strukturelles Spannungsfeld wider: Der Westbalkan wird weiterhin als Teil des erweiterten europäischen Wirtschaftsraums wahrgenommen, kann jedoch nicht in gleichem Maße von der aktuellen Investitionsdynamik profitieren wie EU-Mitgliedstaaten.

Ein wesentlicher Grund liegt in den Risikoeinschätzungen der Unternehmen. Politische Unsicherheiten, institutionelle Schwächen und Korruption zählen laut Umfrage zu den zentralen Standortnachteilen. Gleichzeitig bleibt Bürokratie ein wiederkehrendes Hindernis für Investoren.

Diese Faktoren wirken im Westbalkan stärker als in den EU-Mitgliedstaaten der Region – und relativieren Kostenvorteile oder geografische Nähe.

Produktionsverlagerung bleibt begrenzt – Chancen für Nischenmärkte

Interessant ist zudem die zurückhaltende Haltung bei der Verlagerung von Produktionskapazitäten: Zwar ziehen 26 Prozent der Unternehmen grundsätzlich eine Verlagerung nach Mittel- und Osteuropa in Betracht, konkret geplant ist dieser Schritt jedoch nur bei vier Prozent.

Für den Westbalkan bedeutet das: Die Region profitiert weniger von großvolumigen industriellen Verlagerungen, sondern bleibt vor allem für selektive Investitionen relevant – etwa in arbeitsintensiven Branchen, Energieprojekten oder spezifischen Nischenindustrien.

Region entwickelt sich zum Absatzmarkt – mit begrenzter Breite

Parallel zur Investitionsentwicklung verändert sich auch die Wahrnehmung der Region: Mittel- und Osteuropa wird zunehmend nicht nur als Produktionsstandort, sondern als Absatzmarkt mit wachsender Kaufkraft gesehen.

Gerade hier zeigt sich jedoch erneut eine Differenzierung. Während große Märkte wie Polen oder Rumänien von steigender Binnennachfrage profitieren, bleibt die Nachfragebasis im Westbalkan fragmentierter und weniger skalierbar.

Dennoch bleibt die Region Teil einer zunehmend integrierten europäischen Wirtschaftszone – mit wachsender wechselseitiger Kapitalbewegung. Investitionen fließen nicht mehr ausschließlich aus Deutschland nach Osten, sondern zunehmend auch in umgekehrter Richtung.

Westbalkan im Schatten der EU-Peripherie

Die Berliner Präsentation machte damit vor allem eines deutlich: Die wirtschaftliche Integration Mittel- und Osteuropas schreitet voran – jedoch asymmetrisch. Während EU-Mitgliedstaaten ihre Position weiter ausbauen, bleibt der Westbalkan strukturell im Hintertreffen.

Für deutsche Unternehmen ist die Region weiterhin relevant – aber nicht mehr automatisch erste Wahl. Die Investitionsentscheidungen folgen zunehmend klaren Kriterien: Marktgröße, regulatorische Stabilität und EU-Anbindung.

Und genau hier entscheidet sich, welche Länder künftig von der Dynamik profitieren – und welche lediglich Teil der erweiterten Peripherie bleiben.

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German CEE Business Outlook 2026

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