SDP-Chef Nermin Nikšić

Bosniens Premierminister verzichtet auf Kandidatur bei der Parlamentswahl

Der langjährige SDP-Vorsitzende verzichtet erstmals seit dem Ende des Bosnienkriegs auf eine Kandidatur. Der Schritt befeuert Spekulationen über einen bevorstehenden Generationenwechsel.

Der langjährige Parteivorsitzende tritt erstmals seit 1996 bei keiner Wahl an. Auch Vizechef Vojin Mijatović kandidiert nicht und befeuert damit Spekulationen über einen bevorstehenden Generationenwechsel. (© SDP / Facebook)

Die Sozialdemokratische Partei (SDP) hat ihre Kandidatenlisten für die Allgemeinen Wahlen am 4. Oktober bei der Zentralen Wahlkommission eingereicht. Auffällig ist dabei das Fehlen der beiden ranghöchsten Parteifunktionäre: Weder der Parteivorsitzende Nermin Nikšić noch sein Stellvertreter Vojin Mijatović kandidieren für ein Mandat auf irgendeiner politischen Ebene.

Die Listen wurden vom Verkehrsminister des Kantons Sarajewo, Adnan Šteta, eingereicht. Nach Angaben der SDP treten insgesamt rund 500 Kandidatinnen und Kandidaten für die verschiedenen politischen Ebenen in Bosnien und Herzegowina an.

Fokus auf Regierungsarbeit

Vojin Mijatović bestätigte den Verzicht auf eine Kandidatur und erklärte, dass er und Nikšić ihre gesamte Aufmerksamkeit der Arbeit in der Regierung der Entität Föderation Bosnien und Herzegowina widmen wollten. Ziel sei es, die laufende Legislaturperiode bis zum Ende verantwortungsvoll abzuschließen. Für Nikšić ist die Entscheidung von besonderer Bedeutung: Erstmals seit den ersten Wahlen nach dem Bosnienkrieg im Jahr 1996 steht der langjährige Parteivorsitzende auf keiner Wahlliste der SDP.

Spekulationen über Generationenwechsel

Der Verzicht befeuert Spekulationen über einen möglichen schrittweisen Rückzug Nikšićs aus der aktiven Politik. Erst vor wenigen Wochen hatte er erklärt, dass seine Zeit an der Parteispitze mit der Bildung einer neuen Regierung enden könnte. Einen politischen Ruhestand schloss er dabei ebenso wenig aus wie eine spätere Rückkehr.

Unabhängig von ihrer Nichtkandidatur bleiben beiden Spitzenpolitikern jedoch alle Optionen für politische Spitzenfunktionen nach der Wahl offen. Sollte die SDP an einer künftigen Regierungskoalition beteiligt sein, könnte Nikšić erneut ein Regierungsamt übernehmen. Auch eine Entsendung in das Haus der Völker der Parlamentarischen Versammlung von Bosnien und Herzegowina gilt als möglich.

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