BH Telecom hat am Montag die Verbreitung des Fernsehsignals des öffentlich-rechtlichen Senders der Entität Republika Srpska, Radio-televizija Republike Srpske (RTRS), über seine TV-Plattform unterbrochen. Betroffen ist auch der private Sender Alternativna televizija (ATV) aus Banja Luka.
Hintergrund ist die umfangreiche Berichterstattung der beiden Sender über die Beisetzung des früheren Kommandanten der Armee der Republika Srpska und verurteilten Kriegsverbrechers, Ratko Mladić, in Belgrad. RTRS hatte bereits am Sonntag angekündigt, sein Morgenprogramm von 6 bis 12 Uhr vollständig der Beisetzung zu widmen und anschließend sowohl den orthodoxen Trauergottesdienst als auch die Beerdigung live zu übertragen.
BH Telecom verweist auf geltendes Recht
Kunden informierte BH Telecom mit einer eingeblendeten Mitteilung über die Unterbrechung. Darin erklärte das Unternehmen, die Verbreitung werde „im Einklang mit der geltenden Gesetzgebung Bosnien und Herzegowinas“ für die Dauer der entsprechenden Berichterstattung eingestellt.
Als Grund nannte BH Telecom, dass die ausgestrahlten Inhalte „direkt oder indirekt eine Verherrlichung verurteilter Kriegsverbrecher darstellen“ und damit das öffentliche Interesse sowie die Gefühle der Opfer beeinträchtigen könnten.
RTRS mit stundenlangem Sonderprogramm
RTRS hatte die Beisetzung bereits im Vorfeld zu einem zentralen Programmschwerpunkt gemacht. Der Sender bezeichnet Mladić in seiner Berichterstattung durchgehend als „General“ und kündigte Live-Schalten, Studiogäste und Beiträge aus Belgrad an. Bereits am Sonntag berichtete RTRS ausführlich über organisierte Busfahrten aus der Republika Srpska zur Beerdigung.
Damit erhält die Auseinandersetzung um den Umgang mit Mladić nun auch eine innerbosnische medienpolitische Dimension: Während RTRS die Beisetzung über Stunden live begleitet, verweigert einer der größten Telekommunikationsanbieter des Landes zeitweise die Weiterverbreitung des Programms.
Mladić wird am Montag auf dem Topčider-Friedhof in Belgrad beigesetzt. Die Zeremonie wurde mit höchsten militärischen Ehren angekündigt.
Mladić war 2021 rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das internationale Gericht bestätigte unter anderem seine Verantwortung für den Völkermord von Srebrenica sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen während des Bosnienkriegs. Er starb am 27. August 2026 im Alter von 84 Jahren in der Haftkrankenstation in Den Haag.
redaktion