Cybersecurity-Ranking 2026

Albanien auf Platz 1 der Welt bei Cybersicherheit – deutlich vor Deutschland, Österreich und der Schweiz

Vom 54. Platz im Jahr 2023 an die Weltspitze.

© Westbalkan Briefing / KI-generierte Illustration

Albanien steht im National Cyber Security Index (NCSI) mit 98,33 von 100 Punkten auf Platz 1. Noch 2023 belegte das Land Platz 54, 2025 bereits Platz 15. Der aktuelle Sprung an die Spitze macht Albanien zugleich zum mit Abstand bestplatzierten Staat des Westbalkans. Nordmazedonien folgt auf Rang 30, Serbien auf Rang 40 und Montenegro auf Rang 48. Kosovo und Bosnien und Herzegowina liegen auf den Plätzen 88 und 100. 

Was hinter dem ersten Platz steckt

Der National Cyber Security Index wird von der estnischen e-Governance Academy Foundation geführt. Er bewertet, welche nachweisbaren Fähigkeiten ein Staat zur Prävention und Bewältigung von Cyberrisiken aufgebaut hat. Untersucht werden zwölf Bereiche – von Cybersicherheitspolitik und internationaler Zusammenarbeit über den Schutz kritischer Informationsinfrastruktur bis zu Cyberkriminalität, Krisenmanagement und militärischer Cyberabwehr.

Das Ranking ist daher kein Vergleich darüber, in welchem Land Computer, Unternehmen oder Behörden am seltensten erfolgreich angegriffen werden. Es misst vielmehr, wie weit die staatlichen rechtlichen, institutionellen und operativen Strukturen für Cybersicherheit entwickelt sind.

Albanien erreicht in neun der zwölf untersuchten Bereiche die volle Punktzahl: bei Cybersicherheitspolitik, internationaler Zusammenarbeit, Aus- und Weiterbildung, dem Schutz kritischer Informationsinfrastruktur, der Sicherheit digitaler Basisdienste, Datenschutz, der Reaktion auf Cybervorfälle, Cyberkrisenmanagement sowie der Bekämpfung von Cyberkriminalität. Punkte fehlen lediglich bei Forschung und Entwicklung sowie der militärischen Cyberabwehr. 

Cyber-Attacke von Iran als Motivationsfaktor

Premierminister Edi Rama (PS) bezeichnet das Ergebnis als Konsequenz des schweren Cyberangriffs auf Albanien vom 15. Juli 2022, für den Tirana den Iran verantwortlich machte. Der Angriff habe die Schwächen der damaligen Cyberabwehr offengelegt und einen grundlegenden Umbau ausgelöst. Albanien habe anschließend eine neue Sicherheitsarchitektur aufgebaut, professionelle Kapazitäten gebündelt und dabei eng mit internationalen, insbesondere israelischen Partnern zusammengearbeitet. Rama verweist auf den Aufstieg von Rang 54 im Jahr 2023 über Rang 15 im Jahr 2025 bis an die Spitze des NCSI. Zugleich warnt er davor, den ersten Platz als dauerhaft gesichert zu betrachten. Cyberabwehr müsse kontinuierlich weiterentwickelt und stärker auf den privaten Sektor ausgeweitet werden.

„Das Regime in Teheran wollte uns zeigen, wie schwach wir waren. Tatsächlich hat es uns gezwungen, zu der Stärke zu werden, die wir heute bei der Verteidigung des digitalen Albaniens sind“, so Rama auf Facebook.

Nordmazedonien, Serbien und Montenegro bilden das Verfolgerfeld

Mit 84,17 Punkten liegt Nordmazedonien auf Weltrang 30 und damit auf Platz zwei innerhalb des Westbalkans. Das Land erreicht unter anderem bei der nationalen Cybersicherheitspolitik, Aus- und Weiterbildung, beim Schutz kritischer Informationsinfrastruktur, Datenschutz und bei der Bekämpfung von Cyberkriminalität die jeweilige Höchstwertung. Schwächer sind die Ergebnisse vor allem bei Forschung und Entwicklung, Krisenmanagement und militärischer Cyberabwehr.

Dahinter folgen Serbien mit 80,83 Punkten auf Rang 40 und Montenegro mit 78,33 Punkten auf Rang 48. Die beiden Länder trennen im Index lediglich 2,5 Punkte. Beide erreichen unter anderem bei Cybersicherheitspolitik, Aus- und Weiterbildung, Datenschutz sowie der Bekämpfung von Cyberkriminalität hohe beziehungsweise maximale Bewertungen. 

Bei Serbien fällt zusätzlich der Vergleich mit dem allgemeinen digitalen Entwicklungsstand auf. Der NCSI weist dafür 70,05 Punkte aus – den höchsten Wert unter jenen Westbalkan-Staaten, für die in der Vergleichsansicht entsprechende Daten vorliegen. Serbiens Cybersecurity-Wert liegt mit 80,83 Punkten vergleichsweise nahe daran.

Anders ist das Verhältnis in Albanien: Einem Digital Development Level von 62,34 Punkten stehen 98,33 NCSI-Punkte gegenüber. Auch Nordmazedonien liegt mit 84,17 NCSI-Punkten erheblich über seinem digitalen Entwicklungswert von 58,31 Punkten, Montenegro erreicht 78,33 gegenüber 60,85 Punkten. 

Großer Abstand zu Kosovo und Bosnien und Herzegowina

Nach Montenegro bricht das regionale Ranking ab. Kosovo erreicht 50 Punkte und Rang 88. Besonders niedrige Bewertungen gibt es unter anderem bei der Cybersicherheitspolitik mit sechs von 15 Punkten, bei Aus- und Weiterbildung mit drei von zehn sowie beim Cyberkrisenmanagement mit zwei von neun Punkten. Beim Datenschutz erreicht Kosovo dagegen die volle Punktzahl. 

Noch weiter zurück liegt Bosnien und Herzegowina. Mit 39,17 Punkten landet das Land auf Weltrang 100. In drei zentralen Kategorien weist die NCSI-Vergleichsansicht überhaupt keine Punkte aus: Cybersicherheitspolitik, Schutz kritischer Informationsinfrastruktur und Reaktion auf Cybervorfälle. Höhere Bewertungen gibt es unter anderem bei Aus- und Weiterbildung sowie beim Datenschutz. 

Bemerkenswert ist auch das Verhältnis zum allgemeinen digitalen Entwicklungsstand. Dieser liegt für Bosnien und Herzegowina bei 53,25 Punkten und damit 14,08 Punkte über dem NCSI-Wert. Unter den fünf Ländern mit ausgewiesenem Vergleichswert ist Bosnien und Herzegowina das einzige, dessen Cybersecurity-Bewertung unter dem allgemeinen digitalen Entwicklungsniveau liegt.

Westbalkan | Cybersicherheit

Der Westbalkan im direkten Vergleich

Albanien setzt sich im National Cyber Security Index klar von den übrigen Staaten der Region ab. Besonders groß ist die Lücke zu Kosovo sowie Bosnien und Herzegowina.

Albanien Weltrang 1
98,33
Nordmazedonien Weltrang 30
84,17
Serbien Weltrang 40
80,83
Montenegro Weltrang 48
78,33
Kosovo Weltrang 88
50,00
Bosnien und Herzegowina Weltrang 100
39,17
0 25 50 75 100 Punkte
59,16
Punkte liegen zwischen Albanien und Bosnien und Herzegowina – dem Spitzenreiter und dem Schlusslicht des Westbalkans im NCSI.
Quelle: National Cyber Security Index (NCSI), 2026

Die Zahlen teilen den Westbalkan in drei Gruppen. Albanien steht mit 98,33 Punkten allein an der Spitze. Nordmazedonien, Serbien und Montenegro bilden mit Werten zwischen 78,33 und 84,17 Punkten ein relativ enges Mittelfeld. Danach folgt ein Sprung von 28,33 Punkten zu Kosovo; Bosnien und Herzegowina liegt nochmals 10,83 Punkte darunter.

Der NCSI zeichnet damit kein einheitliches regionales Bild. Während vier der sechs Westbalkan-Staaten im internationalen Vergleich inzwischen weit vorne beziehungsweise im oberen Mittelfeld liegen, bestehen in Kosovo und vor allem in Bosnien und Herzegowina nach der Methodik des Index weiterhin erhebliche Lücken in den staatlichen Strukturen für Cybersicherheit.

Deutschland vor Österreich und der Schweiz

Auch im Vergleich mit dem deutschsprachigen Raum fällt Albaniens Spitzenplatz auf. Deutschland erreicht im aktuellen NCSI 90,83 Punkte und liegt auf Rang 13, Österreich folgt mit 85 Punkten auf Rang 27. Die Schweiz kommt auf 79,17 Punkte und belegt Platz 46. Damit liegt Albanien mit 98,33 Punkten im Index vor allen drei DACH-Staaten; Nordmazedonien liegt mit 84,17 Punkten knapp hinter Österreich, während Serbien und Montenegro vor der Schweiz rangieren.

redaktion

LINK

NCSI – National Cyber Security Index

Facebook-Posting von Premierminister Edi Rama

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