Das serbische Verteidigungsministerium hat erstmals ausführlich auf die Aufnahmen zweier Wiener YouTuber auf dem Militärflugplatz „Pukovnik-pilot Milenko Pavlović“ in Batajnica bei Belgrad reagiert. In einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme bestätigt das Ministerium einen unbefugten Zutritt zu einem Teil des militärischen Komplexes. Zugleich weist es Darstellungen zurück, wonach die Männer Zugang zu einem operativ relevanten Bereich des Flugplatzes oder zu einsatzfähigen Militärflugzeugen gehabt hätten.
Gegen die beiden Männer seien inzwischen Strafanzeigen wegen des Verdachts auf eine Straftat nach Artikel 416 des serbischen Strafgesetzbuches erstattet worden, teilte das Ministerium mit.
Westbalkan Briefing hatte am 4. Oktober über den Fall berichtet. Dominik Fichtenbauer und Frederik Baschant vom Wiener YouTube-Kanal Roofless TV hatten ein Video veröffentlicht, in dem sie behaupteten, unbemerkt auf das Gelände des Militärflugplatzes gelangt zu sein. Zu diesem Zeitpunkt hatten die serbischen Behörden entsprechende Medienanfragen noch nicht beantwortet. Das Video löste in Serbien eine Debatte über die Sicherung militärischer Einrichtungen aus.
Ministerium: Abgetrennter Teil des Komplexes
Nach Darstellung des Verteidigungsministeriums erstreckt sich der Militärkomplex in Batajnica über ein weitläufiges, insgesamt knapp 15 Kilometer umfassendes umzäuntes Areal. Dieses sei in mehrere Zonen mit unterschiedlicher Nutzung und unterschiedlicher sicherheitspolitischer Bedeutung unterteilt.
Die Aufnahmen der Wiener seien demnach in einem „physisch getrennten und abgegrenzten Teil des Komplexes“ entstanden. Dort fänden keine Aktivitäten des auf dem Flugplatz stationierten Personals und der dort eingesetzten Technik statt.
Der betreffende Bereich sei teilweise geöffnet worden, um zivilen Unternehmen den Zugang für vorbereitende Erdarbeiten und die Errichtung neuer Infrastruktur zu ermöglichen. Das Gelände solle künftig umgestaltet und einer neuen Nutzung zugeführt werden.
Auch bei den im Video sichtbaren Flugzeugen und Hubschraubern handle es sich nach Angaben des Ministeriums ausschließlich um ausgemusterte Maschinen, die nicht mehr für Aufgaben der serbischen Luftstreitkräfte und Luftverteidigung eingesetzt würden.
Unbefugter Zutritt bestätigt
Damit bestätigt das Ministerium allerdings einen wesentlichen Punkt der bisherigen Berichterstattung: Die beiden Wiener befanden sich tatsächlich ohne Genehmigung innerhalb eines abgesperrten militärischen Areals.
Der Bereich sei durch einen Zaun vom weiterhin genutzten Teil des Flugplatzes getrennt. Weil dort derzeit keine operativen Aktivitäten stattfänden, gebe es in diesem Abschnitt auch keine permanente physische und technische Bewachung.
Das Ministerium spricht ausdrücklich von einem „unbefugten Betreten“ und erklärt, die Männer seien trotz deutlich sichtbarer Warnhinweise in einen eingezäunten Bereich gelangt, in dem der Aufenthalt verboten und potenziell gefährlich sei.
Die Darstellung, wonach die YouTuber Zugang zu Kampfflugzeugen oder zu Bereichen mit zentralen militärischen Aktivitäten gehabt hätten, bezeichnet das Ministerium hingegen als „Medienspin“.
Ministerium weist Sicherheits-Fiasko zurück
Besonders deutlich wendet sich die Stellungnahme gegen die politische und mediale Interpretation des Vorfalls. Einige Medien und Einzelpersonen würden versuchen, aus dem Fall eine sensationelle Geschichte über einen „Einbruch in eine Militärbasis“ und eine Gefährdung der Einsatzfähigkeit der serbischen Streitkräfte zu machen.
Diese Darstellung entspreche „nicht der tatsächlichen Situation vor Ort“, heißt es.
Die operative Einsatzfähigkeit der auf dem Flugplatz stationierten Einheiten sei durch den Vorfall zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt worden. Auch der sichere und ungestörte Betrieb des Militärflugplatzes sei nicht gefährdet gewesen.
Das Ministerium betont zugleich, Batajnica sei ein Komplex von „außerordentlicher Bedeutung“ für die serbischen Streitkräfte. Der Schutz der operativen Kapazitäten, der Infrastruktur und des dort eingesetzten Personals befinde sich auf einem „außerordentlich hohen Niveau“.
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Stellungnahme serbisches Verteidigungsministerium (in serbischer Sprache)