Zwei österreichische YouTuber sorgen in Serbien mit einem Video für erhebliches Aufsehen. Die Betreiber des Kanals „Roofless TV“ veröffentlichten Aufnahmen, die nach eigenen Angaben auf dem Militärflugplatz „Pukovnik-pilot Milenko Pavlović“ in Batajnica bei Belgrad entstanden sind. Die beiden Männer behaupten darin, ohne Genehmigung in einen abgesperrten Bereich des Militärgeländes gelangt zu sein.
Hinter dem Kanal steht die RooflessTV GmbH mit Sitz in Wien. Laut Impressum ist das Unternehmen in der Albertgasse im 8. Wiener Gemeindebezirk registriert und wird von Dominik Fichtenbauer und Frederik Baschant vertreten. Auf ihrer eigenen Website beschreiben sich die beiden als Männer aus Wien, die Orte erkunden, „die normalerweise nur im Verborgenen bleiben“.
Aufnahmen von einem sensiblen Militärgelände
Das veröffentlichte Video zeigt die beiden zunächst in der Umgebung des Flugplatzes Batajnica. Anschließend sind sie innerhalb eines umzäunten Areals zu sehen, das sie selbst als Teil des Militärflugplatzes bezeichnen.
Dort filmen sie mehrere offenbar nicht mehr eingesetzte Flugzeuge und bewegen sich zwischen den Maschinen. In der Aufnahme ist zudem ein landendes Flugzeug zu sehen. Während ihres Aufenthalts ist in dem veröffentlichten Material kein Wachpersonal zu erkennen. Wie die Männer auf das Gelände gelangten und ob tatsächlich keinerlei Sicherheitskontrolle überwunden werden musste, lässt sich anhand des Videos allein allerdings nicht unabhängig feststellen.
Das ist für die Einordnung entscheidend: Bislang liegt keine öffentliche Bestätigung der serbischen Behörden vor, dass die Wiener tatsächlich unbefugt in einen militärischen Sicherheitsbereich eingedrungen sind. Fest steht lediglich, dass die Männer dies selbst behaupten und entsprechende Aufnahmen veröffentlicht haben. Das Video erreichte innerhalb weniger Tage mehr als eine halbe Million Aufrufe.
Serbische Behörden beantworten Fragen bislang nicht
Gerade diese Unklarheit verschärft die Debatte. Die serbische Tageszeitung „Nova“ wandte sich nach eigenen Angaben an das Verteidigungsministerium und wollte unter anderem wissen, ob die Behörden über den Besuch der österreichischen YouTuber informiert waren und ob ihnen Zutritt und Dreharbeiten genehmigt worden waren.
Auch das serbische Innenministerium sowie der Militärflugplatz selbst seien mit entsprechenden Fragen konfrontiert worden. Antworten lagen den Redaktionen von Nova und N1 bis Sonntag nicht vor.
Damit bleiben zentrale Fragen offen: Handelte es sich tatsächlich um einen unbemerkten Zutritt zu einem militärischen Sicherheitsbereich? Welcher Teil des weitläufigen Areals ist auf den Aufnahmen zu sehen? Und wie konnten die beiden Männer dort filmen, ohne offenbar unmittelbar aufgehalten zu werden?
Ponoš spricht von schwerem Sicherheitsproblem
Inzwischen hat der Fall auch den serbischen Wahlkampf erreicht. Zdravko Ponoš, ehemaliger Generalstabschef der serbischen Streitkräfte, Vorsitzender der Partei Srbija Centar (SRCE) und einer der führenden Vertreter der oppositionellen Liste „Europäisches Serbien“, übte scharfe Kritik an Verteidigungsminister Bratislav Gašić (SNS) und den zuständigen militärischen Stellen.
Die beiden österreichischen YouTuber hätten sich auf dem Militärflugplatz bewegt „wie auf einem Flohmarkt“, erklärte Ponoš. Es handle sich um einen der wichtigsten militärischen Standorte Serbiens.
„Sie sind hineingegangen, haben gefilmt, sich lustig gemacht, sind wieder hinausgegangen und haben es veröffentlicht“, erklärte Ponoš. Er sprach von einer „Sicherheitslücke“ und kritisierte die aus seiner Sicht fehlende politische und militärische Verantwortung.
Besonders schwer wiegt aus Sicht des früheren Generalstabschefs die Frage, was ein derartiger Vorfall über die Sicherung militärischer Einrichtungen aussagen könnte. Ponoš warnte sinngemäß davor, welche Möglichkeiten professionell vorbereitete Personen hätten, wenn bereits YouTuber am helllichten Tag Zugang zu einem solchen Gelände erhalten könnten.
Ponoš verband seine Kritik zugleich ausdrücklich mit dem laufenden serbischen Wahlkampf und warf dem Verteidigungsministerium und dem Generalstab vor, den Fall nicht öffentlich aufarbeiten zu wollen. Für diese politische Bewertung legte er keine Belege vor; eine Stellungnahme der von ihm kritisierten Stellen liegt bislang nicht vor.
Batajnica zählt zu den wichtigsten Militärstandorten Serbiens
Der Militärflugplatz Batajnica liegt nordwestlich von Belgrad und ist ein zentraler Standort der serbischen Luftstreitkräfte und Luftverteidigung. Dort befindet sich die 204. Luftwaffenbasis der serbischen Streitkräfte. Sollte sich bestätigen, dass die beiden Wiener tatsächlich ohne Genehmigung in einen geschützten Teil des aktiven Militärgeländes gelangten, würde der Fall deshalb erhebliche Fragen zur Sicherung eines strategisch wichtigen Standorts aufwerfen – und vermutlich auch strafrechtliche Konsequenzen mit sich bringen.
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